10.04.2018 Stefan Federbusch ofm

27 Elemente franziskanischer Spiritualität: 22. Sich senden lassen

In einem Traum sieht Papst Innozenz, wie Franziskus gesendet wird, die Kirche zu stützen. Detail eines Frescos von Giotto in der Oberkirche San Francesco in Assisi. Bild von Archiv Deutsche Franziskanerprovinz.

Die Berufung von Franziskus war es, das Evangelium (griech. = gute Nachricht) zu leben. Bedingt durch die Vielfalt des Evangeliums ist es immer nur möglich, bestimmte Aspekte hervorzuheben und in eine bestimmte Lebensweise umzusetzen. Die Spiritualität (spiritus: latein. = Geist) eines Menschen oder einer Gruppe von Menschen ist daher geprägt von dem Blickwinkel, von dem er bzw. sie auf das Evangelium schaut und von den Erfahrungen, die sein bzw. ihr Leben geprägt haben.

Da auch das Leben und Wirken von Franziskus äußerst vielfältig und vielschichtig ist, beschränkt sich die Darstellung auf einige wesentliche Grundzüge seiner Spiritualität sowie kurzer Hinweise auf Bestandteile einer franziskanischen Spiritualität heute.


In 27 Elementen reflektiert Bruder Stefan Federbusch die franziskanische Spiritualität und ihre konkrete Umsetzung. Das 22. Element franziskanischer Spiritualität ist die Sendung, Für Franziskus ist das Wanderleben Jesu mit seinen Jüngern das Vorbild für die Lebensweise der gesamten Bruderschaft. So wie Christus zu den Menschen gesandt ist, um ihnen das Wort Gottes zu verkündigen, sehen sich auch Franziskus und seine Bruderschaft unter die Menschen gesandt, um ihnen das Evangelium mit Wort und Leben zu verkündigen.

27 Elemente franziskanischer Spiritualität

22. Sich senden lassen

Die franziskanische Lebensgemeinschaft verstand sich von Anfang an als missionarische „Bruderschaft in Sendung“ [missio(n) = Sendung]. Fior 16: „Denn er hat dich nicht allein erwählt um deiner selbst willen, sondern auch zum Heil anderer.“ Franziskus ging es vor allem um die Übereinstimmung von Verkündigung und Lebensstil. Vorrang vor dem Wort hat das Zeugnis des Lebens. „Der Knecht Gottes muss durch sein heiligmäßiges Leben so sehr zu einer Flamme werden, dass er durch das Licht des guten Beispiels und durch die Sprache, die sein Lebenswandel spricht, alle Gottlosen im Gewissen trifft“ (1/2 C 103). Franziskus wählte wie oben erwähnt das Wanderleben Jesu und seiner Jünger zum Vorbild. Primäres Ziel war für ihn nicht die Predigt (diese Entwicklung vollzog sich erst später im Orden), sondern das Zeugnis eines brüderlichen und Evangeliums gemäßen Lebens unter den Menschen. „Geht, verkündet den Menschen den Frieden und predigt Buße zur Vergebung der Sünden! Seid in der Trübsal geduldig, im Gebet wachsam, bei der Arbeit fleißig, im Reden bescheiden, in euren Sitten ernst und dankbar für Wohltaten, denn zum Lohn für all dies wird euch das ewige Reich bereitet“ (LM III, 7). Dieser Auftrag galt allen Brüdern gleichermaßen, unabhängig davon, ob sie Priester waren oder nicht. Alle Brüder lebten den Auftrag der Sendung des Evangeliums. Franziskus hat diesen Auftrag (als er durch Krankheit in seinem „Durch-die-Welt-ziehen“ eingeschränkt war) auch in brieflicher Form vollzogen (vgl. 1/2 Gl 2f.).

Sich senden lassen heute:

  • Bruderschaft in Sendung
  • Vorrang des Lebenszeugnisses vor dem Wort
  • Ständige Selbstevangelisierung

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