08.01.2021 Bruder Martin Lütticke

Die Welt braucht eine frohe Botschaft

<< Zurück | Jetzt | Weiter >> Der Kommentar der Woche.

Oft ist das, was uns beschäftigt, uns sorgt und uns Angst macht, auch die Quelle für das, was jetzt dran ist. Mit dem Blick auf die Welt aus ihrer Perspektive kommentieren die Franziskaner jeden Freitag, was sie wahrnehmen.


Bruder Martin Lütticke

In diesen Tagen sind wieder die Sternsinger unterwegs – als weltweit größte Hilfsaktion von Kindern für Kinder verkünden sie die frohe Botschaft der Geburt Jesu und sammeln für Kinder in Not. In diesem Jahr werden sie in aller Regel nicht von Haus zu Haus gehen, sondern haben alternativ und kreativ andere Wege für ihre frohe Botschaft gefunden. Es fasziniert mich, mit welchem Einsatz für eine gute Sache Menschen hier unterwegs sind.

Zugleich sehe ich die verstörenden Bilder vom Sturm auf das Capitol in Washington DC. Ein abgewählter Präsident, der sich narzisstisch und egomanisch an die Macht klammert und entgegen allen demokratischen Spielregeln seine Niederlage nicht anerkennt und der seine Fans anfeuert, ordentlich Krawall zu machen. Wer Wind sät, wird Sturm ernten. Aus Tweets wird Gewalt.

Die Welt braucht eine frohe Botschaft – und sie braucht Menschen, die frohe Botschaften leben. Der gewählte amerikanische Präsident Biden spricht viel von „Heilung“, die notwendig ist. Versöhnung gegen alle Tendenzen zur Spaltung.

Ich erinnere mich an den Besuch eines Mitbruders aus Namibia, der viele Jahre in Südafrika ein Programm mit dem Titel „Healing of Memories – Heilung der Erinnerung“ geleitet hat. Menschen, die in der Zeit der Apartheid oder in anderen gewalttätigen Konflikten gegeneinander gekämpft haben, wurden zusammengeführt und können einander vorsichtig und behutsam ihre Geschichte erzählen und einander zuhören. Und im Erzählen und Zuhören erleben, dass da etwas heilen kann.

Ich erinnere mich an den evangelischen Kirchentag 2019 hier in Dortmund. Vor der Reinoldikirche gab es mit sehr viel öffentlicher Aufmerksamkeit den „Pavillon der guten Nachrichten“ als Ort positiver Nachrichten zum Zeichen gegen eine oft hysterische Weltuntergangsstimmung.

Die Welt braucht eine frohe Botschaft – mögen die Sternsinger mit ihrer frohen Botschaft laut und deutlich zu hören sein in unserer Welt – lauter als alle Trumps und alle Menschen, die nur sich selbst sehen und die Gesellschaft spalten.


Der Blick zurück, der Blick nach vorne, und der Blick nach innen.
Franziskaner kommentieren, was wichtig ist.
Immer freitags auf franziskaner.de


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