15.10.2021 Bruder Michael Blasek

Diskretion

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Oft ist das, was uns beschäftigt, uns sorgt und uns Angst macht, auch die Quelle für das, was jetzt dran ist. Mit dem Blick auf die Welt aus ihrer Perspektive kommentieren Franziskaner jeden Freitag, was sie wahrnehmen.


Bruder Michael Blasek

Seit zwei Wochen laufen die Koalitionsverhandlungen der Parteien nach der Bundestagswahl.

Viele erinnerten sich an die bisweilen hinderlichen Aktionen nach der Wahl 2017. Doch die Verantwortlichen scheinen dazu gelernt zu haben. Informationen aus den Gesprächen sind spärlich und miteinander abgestimmt. „Für unsere Berufsgruppe ist das ein bisschen ärgerlich“, bedauert das der Moderator Klaus Kleber in dieser Woche im „Heute-Journal“ und ergänzt dann: „Aber ein bisschen muss man es auch bewundern.“ Im Sonntagsinterview des Deutschlandfunks antwortete der Grünen-Co-Vorsitzende Robert Habeck auf die Frage, was ihn in der ersten Phase nach dem Wahlsonntag am meisten überrascht habe: „Die Diskretion“.

Was eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein sollte, wird zu etwas Außergewöhnlichem. In einer Zeit der z.T. hysterischen Jagd nach Neuigkeiten, nehmen sich die Protagonisten scheinbar Zeit, strittige Themen in Ruhe und ausgeschlafen anzugehen und Konflikte nicht in der Öffentlichkeit auszutragen. Das schafft Raum für Entschleunigung und Sorgfalt.

Die Ergebnisse, die daraus zu erwarten sind, werden nicht fertig und schon gar nicht perfekt sein. Aber sie werden auch nicht halbgar in die große Runde der Kommentierenden geworfen.

Dieser Stil gefällt mir – auch, wenn manche dem „Frieden noch nicht trauen“. Im Moment erinnert mich dies jedoch an die Geduld, die Jesus im Gleichnis mit der Saat anmahnt (vgl. Mk 4, 26-29). Hoffentlich bleibt es weiterhin bei dieser Art. Es wäre ein guter Start für die Zusammenarbeit der Parteien.


Der Blick zurück, der Blick nach vorne, und der Blick nach innen.
Franziskaner kommentieren, was wichtig ist.
Immer freitags auf franziskaner.de


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