11.02.2022 Bruder Thomas Abrell

„… siehst du nicht, dass mein Haus in Verfall gerät?…

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Oft ist das, was uns beschäftigt, uns sorgt und uns Angst macht, auch die Quelle für das, was jetzt dran ist. Mit dem Blick auf die Welt aus ihrer Perspektive kommentieren Franziskaner jeden Freitag, was sie wahrnehmen.


Bruder Thomas Abrell

„Franziskus, siehst du nicht, dass mein Haus in Verfall gerät? Geh also hin und stell es mir wieder her!“ (Dreigefährtenlegende 13)

Dieser Auftrag an Franz von Assisi beschäftigt mich in letzter Zeit immer mehr, wenn ich die verschiedenen Schlagzeilen über Kirche lese. Meldungen, die die Kirche an den Pranger stellen. Meldungen über die engagierten Teilnehmerinnen und Teilnehmer am Synodalen Weg, die weiter an die Erneuerung der Kirche glauben. Und die Meldungen von denen, die am liebsten alles unverändert weitergehen ließen.

Gottes Haus ist am Verfallen, weil die Botschaft vom liebenden Gott die Menschen nicht mehr erreicht. Ein Grund dafür ist u. a. eine Institution, die zu bestimmen versucht, wer in Gottes Gnade steht und wer nicht, wer rechtgläubig ist und wer nicht. Diese Institution ist weniger geleitet von der Verkündigung der Botschaft Jesu als von der Bewahrung von Besitzständen und ihrer selbst. So hat Kirche sich selbst ihr Fundament entzogen und wurde einsturzgefährdet.

Wenn nun der Gekreuzigte an den heiligen Franziskus den Auftrag gibt, sein Haus wiederherzustellen, dann geht es nicht um die Rettung einer Institution. Die Antwort des Franziskus von Assisi besteht darin, das Evangelium zu hören und zu leben. Im Sinne Jesu geht es ihm um die Menschen mit ihrem Fragen und Anliegen, und ihrer Sehnsucht, gesehen und gehört zu werden. Schließlich haben im Reich Gottes haben alle Menschen Platz und erfahren Offenheit und Wertschätzung.

Wir brauchen Räume für die Menschen, in denen es nicht um Hierarchien geht, sondern um ein geschwisterliches Miteinander. In vielen Bereichen von Kirche wird das ja gelebt. Da bekommen Menschen eine Ahnung davon, wie sehr sie von Gott angenommen und geliebt sind, und es entsteht Kirche – nicht starr, sondern immer wieder neu.


Der Blick zurück, der Blick nach vorne, und der Blick nach innen.
Franziskaner kommentieren, was wichtig ist.
Immer freitags auf franziskaner.de


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