08.07.2022 Bruder Maximilian Wagner

Zieht euch warm an!

<< Zurück | Jetzt | Weiter >> Der Kommentar der Woche

Oft ist das, was uns beschäftigt, uns sorgt und uns Angst macht, auch die Quelle für das, was jetzt dran ist. Mit dem Blick auf die Welt aus ihrer Perspektive kommentieren die Franziskaner jeden Freitag, was sie wahrnehmen.


Bruder Maximilian Wagner

Wir werden uns künftig viel stärker als bisher einschränken müssen. Es kommen harte Zeiten auf uns zu.

Das sind wir aus den vergangenen Jahren nicht gewöhnt, dass uns von der Politik diktiert wird, was wir zu tun oder zu lassen haben. (Von den Corona-Einschränkungen einmal abgesehen.)

Bisher standen uns – gefühlt wenigstens – fast alle Türen offen und wir mussten nur zugreifen. Solange wir es uns finanziell irgendwie leisten konnten, war fast alles erreichbar. Wir leb(t)en gefühlt im Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Da haben wir streckenweise auch über unsere Verhältnisse gelebt.

„Wie lange fließt noch russisches Gas zu uns nach Deutschland und nach Europa?“, fragen sich in diesen Tagen viele besorgt. Wegen routinemäßigen Wartungsarbeiten der Ostsee-Pipeline Nord Stream 1 hat Gazprom ab Mitte Juni die Gaslieferungen bereits erheblich reduziert. Ab 11.07. droht nun, dass Russland uns den Gashahn völlig abdreht, eventuell für immer. Wir leben eben nicht in entspannten Zeiten, sondern im Krieg.

Noch haben wir ausreichend Gas gespeichert, aber spätestens im Winter werden sich die Depots schnell leeren. Die Versorgungssicherheit ist dann gefährdet, das wird viele Industriezweige hart treffen. Es wird zwangsläufig zu Lieferengpässen kommen. Ein Notfallplan Gas soll heute schon regeln, dass die Energie – wenn auch in begrenzter Menge – alle Haushalte erreicht.

Im Konvent Vierzehnheiligen und vermutlich auch in anderen Klöstern unserer Provinz wird ausschließlich mit Gas geheizt. Wir müssen uns auf einen harten Winter einstellen, überlegen uns jetzt schon alternative Möglichkeiten der Wärmegewinnung („Zieht euch warm an!“) und sparen schon einmal kräftig ein, damit es am Ende für alle reicht.


Der Blick zurück, der Blick nach vorn, und der Blick nach innen.
Franziskaner kommentieren, was wichtig ist.
Immer freitags auf franziskaner.de


Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.