10.09.2018 Stefan Federbusch ofm

27 Elemente franziskanischer Spiritualität: 24. In Demut und Geduld Minoritas üben

Franziskus kümmert sich um einen Leprosen. Im Dienst an den Armen, im Hinblick auf Christus, der sich selber klein und arm gemacht hat, verwirklicht sich die Minoritas. Bronceskulptur vor der Kirche von Rivotorto im Tal von Assisi.
Bild von Archiv Deutsche Franziskanerprovinz.

Die Berufung von Franziskus war es, das Evangelium (griech. = gute Nachricht) zu leben. Bedingt durch die Vielfalt des Evangeliums ist es immer nur möglich, bestimmte Aspekte hervorzuheben und in eine bestimmte Lebensweise umzusetzen. Die Spiritualität (spiritus: latein. = Geist) eines Menschen oder einer Gruppe von Menschen ist daher geprägt von dem Blickwinkel, von dem er bzw. sie auf das Evangelium schaut und von den Erfahrungen, die sein bzw. ihr Leben geprägt haben.

Da auch das Leben und Wirken von Franziskus äußerst vielfältig und vielschichtig ist, beschränkt sich die Darstellung auf einige wesentliche Grundzüge seiner Spiritualität sowie kurzer Hinweise auf Bestandteile einer franziskanischen Spiritualität heute.


In 27 Elementen reflektiert Bruder Stefan Federbusch die franziskanische Spiritualität und ihre konkrete Umsetzung. Die Minoritas, das „Klein sein“ im Rechten Sinne, das heißt mit dem Blick ausgerichtet auf Christus, der sich in seiner Menschwerdung und Passion verdemütigt hat, reflektiert das 24. Element franziskanischer Spiritualität. Eine maßgebliche Grundausrichtung des heiligen Franziskus und derer, die ihm bis zur heutigen Zeit im Orden nachfolgen.

27 Elemente franziskanischer Spiritualität

24. In Demut und Geduld Minoritas üben

Mit dem Begriff Frieden verknüpft Franziskus häufig die Begriffe „Demut“ und „Geduld“. (vgl. Eph 4,2). Für ihn bilden sie einen untrennbaren Dreiklang, eine unauflösliche Trilogie dieser Tugenden. (vgl. NbR 17,15). Gott selbst übt in seiner Menschwerdung das Moment der Demut, indem er sich entäußert und erniedrigt, klein wird und gering, ein Mensch unter Menschen. Christus hat den Seinen gedient und ihnen die Füße gewaschen. In seinen Briefen bezeichnet sich Franziskus in der Nachfolge Jesu als der „Geringste der Diener Gottes“ (1/2 Kust II,1) und „ganz kleiner und verächtlicher Knecht“ (BrLenk 1). Recht verstandene Demut (lateinisch humilitas = Erdverbundenheit] macht menschlich, human. Ungeduld führt häufig zu Gewalt. Geduld dagegen fördert den Frieden. [Geduld = patientia; schwingt pati = leiden = passio = Leiden mit]. Der Friede hängt sehr eng mit der Dienstbereitschaft zusammen.

Die „Minoritas“ ist Kernstück franziskanischer Spiritualität. Seine Brüder nennt er daher „Mindere Brüder“. „Und keiner soll ‚Prior’ genannt werden, sondern alle sollen schlechthin ‚Mindere Brüder’ heißen“ (fratres minores), schreibt er in der Regel von 1221 (NbR 6,3). Sie sollen allen Menschen untertan sein und ihnen dienen. „Ich rate aber meinen Brüdern, warne und ermahne sie im Herrn Jesus Christus, sie sollen, wenn sie durch die Welt gehen, nicht streiten, noch sich in Wortgezänk einlassen (vgl. 2 Tim 2,14), noch andere richten. Vielmehr sollen sie milde, friedfertig und bescheiden, sanftmütig und demütig sein und anständig reden mit allen, wie es sich gehört“ (BR 3,10; vgl. NbR 16).

In Demut und Geduld Minoritas üben heute:

  • Grundhaltung des Friedens, der Demut und Geduld
  • Grundhaltung der Dienstbereitschaft

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