10.04.2017 Bruder Stefan Federbusch

27 Elemente franziskanischer Spiritualität: 4. Mit Ehrfurcht vor und in der Schöpfung leben

Mit Ehrfurcht vor und in der Schöpfung leben. Ein wichtiges Element franziskanischer Spiritualität in dem sich der Respekt des heiligen Franziskus vor allem was Gott geschaffen hat, spiegelt.

Die Berufung von Franziskus war es, das Evangelium (griech. = gute Nachricht) zu leben. Bedingt durch die Vielfalt des Evangeliums ist es immer nur möglich, bestimmte Aspekte hervorzuheben und in eine bestimmte Lebensweise umzusetzen. Die Spiritualität (spiritus: latein. = Geist) eines Menschen oder einer Gruppe von Menschen ist daher geprägt von dem Blickwinkel, von dem er bzw. sie auf das Evangelium schaut und von den Erfahrungen, die sein bzw. ihr Leben geprägt haben.

Da auch das Leben und Wirken von Franziskus äußerst vielfältig und vielschichtig ist, beschränkt sich die Darstellung auf einige wesentliche Grundzüge seiner Spiritualität sowie kurzer Hinweise auf Bestandteile einer franziskanischen Spiritualität heute.


In 27 Elementen reflektiert Bruder Stefan Federbusch die franziskanische Spiritualität und ihre konkrete Umsetzung. Das vierte Element franziskanischer Spiritualität ist die Ehrfurcht vor der Schöpfung. Für Franziskus sind alle Geschöpfe Schwestern und Brüder, die ihren Ursprung in Gott haben.

27 Elemente franziskanischer Spiritualität

4. Mit Ehrfurcht vor und in der Schöpfung leben

Franziskus sieht die Welt als Einheit und Ganzes. Die Schöpfung verweist ihn auf Gott, sie ist transparent, durchsichtig auf den Schöpfer hin. „Wir, die wir bei ihm waren, haben gesehen, mit welch großer Betroffenheit und Liebe er [Franziskus] die Geschöpfe liebte und verehrte. Und durch sie wurde er innerlich froh. Sein Geist wurde mit Zärtlichkeit und Mitleiden zu allen Geschöpfen erfüllt, so dass er verwirrt wurde, wenn jemand die Dinge ohne Ehrfurcht behandelte. So sprach er voll Begeisterung mit den Geschöpfen, als ob sie ein Gefühl für Gott hätten, verehren und sprechen könnten. Und viele Male geriet er dabei in jenen Zustand der Betrachtung Gottes, in dem jedes Zeitgefühl schwand“ (Per 86), berichtet die Dreigefährtenlegende.

Für Franziskus wurden alle Geschöpfe, alle Elemente und Dinge zu „Schwestern“ und „Brüdern“. Durch sie und mit ihnen lobt er im Sonnengesang den Schöpfer alles Guten. Alles Geschaffene sieht er in Bezug auf den dreifaltigen Gott: Im Lamm verehrt er die Demut Christi, Schafe kauft er vom Schlächter los, um sie vom Tod zu erretten, den Wurm hebt er von der Straße auf, da Christus wie ein Wurm zertreten wurde, auf Felsen ging er behutsam aus Respekt vor Jesus, dem Felsen, das Feuer wollte er nicht löschen und das Wasser nicht mit Füßen treten, im Garten sollte es stets ein Stück für Wildkräuter geben (vgl. 1/2 C 165).

Mit Ehrfurcht vor und in der Schöpfung leben bedeutet heute:

  • Die Dinge nicht nur in ihrem Gebrauchswert, sondern in ihrem Eigenwert betrachten
  • In allem Geschaffenen den Schöpfer erblicken (Symbolwert)
  • Umweltschutz als Mitweltschutz verstehen
  • Einen nachhaltigen Lebensstil pflegen

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