Bruder Peter Fobes

Gebet vor dem Kreuzbild

Höchster, glorreicher Gott ...

Franziskus, so wird berichtet, habe dieses Gebet gesprochen, als er vom Kreuz in San Damiano den Auftrag vernahm: „Franziskus, geh hin und stelle mein Haus wieder her, das, wie du siehst, ganz verfallen ist.“ Dem Auftrag der Stimme folgend, renovierte Franziskus die verfallene Kapelle San Damiano und noch zwei weitere Kirchen.

Dieses Ereignis hat nach allem, was wir wissen, im Januar 1206 stattgefunden. Damals muss das Gebet schon formuliert gewesen sein. Es entstand wohl während des vorhergehenden – von Thomas von Celano und den Gefährten geschilderten – Bekehrungsprozesses, in dessen Verlauf Gott und die Aussätzigen immer mehr in den Mittelpunkt rückten.

Gebet vor dem Kreuzbild von San Damiano

Die Kreuzikone des Kirchleins von San Damiano / Assisi
Die Kreuzikone des Kirchleins von San Damiano / Assisi

Höchster, glorreicher Gott,
erleuchte die Finsternis meines Herzens
und schenke mir rechten Glauben,
gefestigte Hoffnung und vollendete Liebe.
Gib mir, Herr, das [rechte] Empfinden und Erkennen,
damit ich deinen heiligen und wahrhaften Auftrag erfülle.
[Amen].

Quelle: Das Erbe eines Armen. Die Schriften des Franz von Assisi. Hrsg. von Bruder Leonhard Lehmann ofmcap

Gebet um die Gabe der drei Tugenden

Schon früher hatte der reiche Kaufmannssohn Franziskus sich gefragt, ob sein bisheriges Leben ihn zum eigentlichen Ziel führte. In der Stadt Spoleto vernahm er im Traum die Weisung Gottes, nach Assisi zurückzukehren, dort werde ihm gesagt, was er tun solle.

Daraufhin kehrt er in seine Heimatstadt zurück und in San Damiano bittet er mit dem Gebet „Höchster, glorreicher Gott“ um den rechten Auftrag. Er wünscht sich die Erleuchtung seines finsteren Herzens und die Gabe der drei Tugenden, jeweils um ein Adjektiv ergänzt: rechter Glaube, gefestigte Hoffnung, vollendete Liebe. Er sehnt sich danach, in ehrlicher Weise zu empfinden und zu erkennen. Mit Gefühl und Verstand möchte er Gott dienen als ganzheitlich gedachter Mensch.

Franziskus steht mit seiner ganzen Ratlosigkeit vor dem „höchsten, glorreichen Gott“; von ihm lässt er sich vorbehaltlos in Anspruch nehmen, indem er selbst zurücktritt und ganz offen für den Ruf des Herrn ist.


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