19.03.2021 Bruder Helmut Schlegel

Kleines c und großes DU!

<< Zurück | Jetzt | Weiter >> Der Kommentar der Woche.

Oft ist das, was uns beschäftigt, uns sorgt und uns Angst macht, auch die Quelle für das, was jetzt dran ist. Mit dem Blick auf die Welt aus ihrer Perspektive kommentieren die Franziskaner jeden Freitag, was sie wahrnehmen.


Bruder Helmut Schlegel

Von Anfang an haben sie das C großgeschrieben. Es steht für „Christlich“ und markierte den Willen, Politik im Sinn Jesu zu gestalten: solidarisch, gewaltfrei, transparent, zum Wohl aller, vor allem der Kleinen und Zukurzgekommenen. Zugegeben: Diese Latte ist sehr hoch. Auch bei den Kirchen muss die Glaubwürdigkeit des großen C in Frage gestellt werden. Noch immer decken sie die Fakten der Missbrauchsfälle nur halbherzig auf.

Wie kann es nur sein, dass Mandatsträger der C-Parteien, die ihr Gesicht hinter der Maske Immunität verbergen, am Maskenhandel sechsstellige Beträge verdienen? Dank an die investigativen Journalisten, die solche Skandale aufdecken. Dank an aufgeweckte Bürgerinnen und Bürger, die den Wahlzettel zum Denkzettel machen. Dank an jene, die jetzt noch entschiedener Transparenz in der Lobbyarbeit der Abgeordneten fordern.

Der Buchstabe C bei der CDU ist sehr verblasst und klein geworden. Wie wäre es, die beiden anderen Buchstaben groß zu schreiben? Politik orientiert am DU? Am DU der alleinerziehenden Mutter, am DU des jungen Mannes in der Abschiebehaft? Am DU des politischen Gegners?

Das DU groß zu schreiben ist eine Forderung an alle in unserer Gesellschaft. Da ist zum Beispiel die Umgangssprache, die seit Jahren verkommt: Das ICH wird aufgeplustert, Andersdenkende werden niedergemacht. Selbst fromme Christen lassen den Respekt vor dem DU vermissen, bis hinauf zur vatikanischen Glaubenskongregation, die in dieser Woche nichts Besseres zu tun hatte, als homosexuellen Christen den Segen für ihre Partnerschaft zu verweigern. „Responsum ad dubium“ (Antwort auf einen Zweifel) lautet ihr Schreiben. Nein, es gibt keinen Zweifel: Es kann nicht im Sinn Jesu sein, Menschen den Segen zu verweigern. Jesus hat Menschen gesegnet, weil sie Menschen sind: Juden und Andersgläubige, Gerechte und Sünder, Zöllner und Geschädigte.

Das DU – jedes DU – gehört großgeschrieben, auch wenn wir gut daran tun, das c in aller Demut und Umkehrbereitschaft kleinzuschreiben, denn wir gehen weit hinter ihm, dessen Namen zu Recht großgeschrieben wird: CHRISTUS.


Der Blick zurück, der Blick nach vorne, und der Blick nach innen.
Franziskaner kommentieren, was wichtig ist.
Immer freitags auf franziskaner.de


Ein Kommentar zu “Kleines c und großes DU!

  1. Lieber Helmut
    Auch in der Schweiz gibt es eine politische Partei, die einst das „C“ großgeschrieben hat und christliche Werte in der Politik vertreten wollte. Die Vertreter dieser Partei sind genau wie in Deutschland zu Marionetten der Wirtschaftslobbyisten verkommen, das Christliche aus den Gründungsdokumenten nicht mehr vorhanden. Darum wird zurzeit diskutiert, den Namen der Partei zu ändern. Das wäre jedenfalls konsequent.
    Politik ist nichts weiter als das Durchsetzen von Interessen, den Interessen von einigen wenigen. Und wer sich als Parlamentarier auf die Verstrickungen mit Lobbyisten einlässt, macht sich erpressbar. Darüber hinaus scheint ein Mandat im Deutschen Bundestag nichts weiter zu sein, als ein Weg sich persönlich zu bereichern, sei es durch die hohen Vergütungen oder eben die Verbindungen zur Wirtschaft. Die Bürger, also die eigentlichen Dienstherren der Parlamentarier, werden nur noch als Stimmvieh benötigt, obwohl es eigentlich Aufgabe der Bundestagsmitglieder wäre, die Interessen des Volkes zu vertreten. Nicht umsonst heißen die Damen und Herren ja Volksvertreter. Aber nachdem das höchste deutsche Gericht entschieden hat, dass Politiker im Wahlkampf lügen dürfen, scheint es keine Grenzen mehr zu geben, die von Politkern nicht übertreten werden. Dabei ist die Gesellschaft lediglich ein Spiegelbild der Zustände in der Politik: Es ist eine reine Ellenbogengesellschaft geworden. Egoismus und ein Mangel an Empathie beherrschen die Menschen. Arme, Kranke und Behinderte, Randständige werden nicht mehr wahrgenommen. Altersarmut entwickelt sich zu einer Normalität, zum Regelfall. Wenn es nicht bald zu einer Umkehr, zu einem Umdenken und „umhandeln“ kommt, dann sehe ich schwarz für die Menschheit. Die Natur ist ja eh schon auf der Verliererseite. Umso wichtiger finde ich es, dass wir als franziskanische Familie nicht zu allem schweigen, sondern aufmerksam machen auf das, was geschieht. Und wir sind gefordert, als Beispiel voranzugehen und zu leben – ganz nach dem franziskanischen Leitwort: Gerechtigkeit und Frieden und Bewahrung der Schöpfung.
    Pace e bene
    Ralf

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