16.09.2022 Pater Hans-Georg Löffler

Lord have mercy

<< Zurück | Jetzt | Weiter >> Der Kommentar der Woche

Oft ist das, was uns beschäftigt, uns sorgt und uns Angst macht, auch die Quelle für das, was jetzt dran ist. Mit dem Blick auf die Welt aus ihrer Perspektive kommentieren Franziskaner jeden Freitag, was sie wahrnehmen.


Pater Hans-Georg Löffler

Über 70 Jahre regierte sie das Britische Empire. Sie war eine Figur, die aus dem Leben nicht wegzudenken war, auch nicht aus meinem Leben.

Viel wurde über sie und von ihr berichtet. Ich erinnere mich an ihre gelegentlich extravaganten Hüte, die Vorliebe für Pferderennen und ihre Corgies, aber auch an ihre jährlichen Weihnachtsansprachen. Als sie jetzt 96-jährig starb, ohne langen Leidensweg, wurde ihr von vielen Seiten Respekt und Anerkennung gezollt.

Staunend verfolge ich auf YouTube immer wieder im Laufe des Tages die Berichterstattung aus Westminster Hall, wo der Sarg der Queen aufgebahrt steht und Hunderttausende Abschied nehmen. Sie warten stundenlang, manche durch die Nacht, um in einem kurzen Augenblick nur am Sarg vorbeizudefilieren oder kurz innezuhalten, sich zu verneigen, zu beten. Menschen, Jung und Alt, in Alltagskleidung oder schwarzem Anzug, verschiedenste Religionen, Weltanschauungen.

Im Tod scheint doch manches vergeben zu werden, das Gute scheint durch, überstrahlt die dunklen Seiten, Fehlentscheidungen, Menschlichkeiten und Versagen. Die Geschichte wird Elisabeth II. ihren Platz zuweisen, die Bedeutung Ihrer langen Regentschaft kritisch prüfen und beurteilen. Und Gott wird ihr ein „gnädiger Richter“ sein, so beten wir. Der christliche Glaube war ihr ein wichtiger Kompass, um das Schiff ihres Lebens, und des Lebens derer, die ihr anvertraut waren, zuversichtlich durch die jeweiligen, oft unruhigen Zeiten zu führen.


Der Blick zurück, der Blick nach vorn, und der Blick nach innen.
Franziskaner kommentieren, was wichtig ist.
Immer freitags auf franziskaner.de.


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