30.10.2020 Bruder Michael Blasek

Umgangsformen

<< Zurück | Jetzt | Weiter >> Der Kommentar der Woche.

Oft ist das, was uns beschäftigt, uns sorgt und uns Angst macht, auch die Quelle für das, was jetzt dran ist. Mit dem Blick auf die Welt aus ihrer Perspektive kommentieren die Franziskaner jeden Freitag, was sie wahrnehmen.


Bruder Michael Blasek

Der türkische Präsident hat letzte Woche seinen Amtskollegen aus Frankreich als geisteskrank bezeichnet. Die amerikanischen Präsidentschaftskandidaten beschimpfen sich als „Clown“ bzw. „senilen Alten“. Im deutschen Bundestag nehmen die Pöbeleien, sogar Drohungen zu. In der Kirche sprechen einige Bischöfe von Gräben zwischen den theologischen Positionen, die nicht nur schwer zu überwinden seien, sondern fast schon an Feindschaft grenzten.

Ich habe den Eindruck, die Art und Weise, wie Verantwortliche übereinander reden, wird nicht nur unsachlicher, sondern auch rauer und unflätiger. Sicherlich gehört zur politisches Auseinandersetzung der bisweilen harte Diskurs. Doch was als vermeintliche politische Verantwortung ausgegeben wird, scheint in Wirklichkeit oft mehr der machtpolitische Egoismus von Rüpeln und Brandstiftern zu sein. Das färbt ab. Dann folgen auf Worte manchmal Taten, wie wir sie in der Sachbeschädigung am „RKI“ in dieser Woche, oder viel schlimmer in den Morden in Halle, Hanau oder Dresden erlebten. Das macht mir Angst.

Christen sollen einen anderen Weg gehen, den des Dialoges. Das Leben Jesu gibt uns dies vor. Er kennt zwar auch die scharfen Worte gegen die Pharisäer. Davor jedoch sucht er die Diskussion mit seinem Gegenüber. Seine Motivation dabei ist das Wohl aller. Wir brauchen diese Sichtweise.

Der emeritierten Bischof Franz Kamphaus schrieb: „ Christsein hat etwas Umwälzendes. Es besteht darin, die Kopernikanische Wende zu vollziehen und sich nicht mehr als Mittelpunkt der Welt zu betrachten. Dann meine ich nicht mehr, die anderen müssten sich um mich drehen, sondern ich sehe mich als eines von vielen Geschöpfen, die sich gemeinsam um Gott als die Mitte bewegen und von ihm gehalten sind.“ Bei all unserem Engagement sollen wir uns also fragen: Worum dreht es sich bei uns wirklich?


Der Blick zurück, der Blick nach vorne, und der Blick nach innen.
Franziskaner kommentieren, was wichtig ist.
Immer freitags auf franziskaner.de


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