15.01.2021 Bruder Michael Blasek

Worte und Taten

<< Zurück | Jetzt | Weiter >> Der Kommentar der Woche.

Oft ist das, was uns beschäftigt, uns sorgt und uns Angst macht, auch die Quelle für das, was jetzt dran ist. Mit dem Blick auf die Welt aus ihrer Perspektive kommentieren die Franziskaner jeden Freitag, was sie wahrnehmen.


Bruder Michael Blasek

In einem Monat jährt sich der Mordanschlag von Hanau. Beim Düsseldorfer Karnevalszug fuhr dazu ein Motivwagen. Ein großer Kopf war darauf zu sehen, aus dessen Mund eine Pistole ragte. „Aus Worten werden Taten!“, kommentierte eine Aufschrift. Letzte Woche stürmte ein aufgewiegelter Mob das Kapitol in Washington. Der noch amtierende Präsident selbst hatte dazu aufgerufen. In den Kommentaren fiel der Satz: „Worte wurden zu gefährlichen Taten!“ In jüngeren Vergangenheit erlebten wir immer wieder schmerzlich, wie Brandredner, „Querdenker“ oder andere Demagogen Menschen zu furchtbaren Taten verführen können: in Hanau, in Halle, in Dresden, in Paris und andernorts auf der Welt. Die Macht der Worte – zumal der hasserfüllten – tritt grausam hervor.

Kurz nach den Ereignissen in Washington reagiert der Bundesaußenminister Heiko Maas und mahnt seinerseits eindringlich die Stärke der Worte an. Bei Hass und Hetze müsse man „den Mund aufmachen“ – egal, ob zu Hause, am Arbeitsplatz oder anderen Orten. Das sei nicht nur die Aufgabe für Minister oder Politiker, das sei eine Aufgabe für jede Demokratin und jeden Demokraten. Ich möchte ergänzen und bestärken: Das ist die Aufgabe jedes Christen in der Nachfolge des konsequent gewaltlosen Jesus.

Sicherlich zeigt Jesu Leben auch, dass dieser Weg selbst gewaltsam enden kann. Den Mund aufzumachen, kann uns in Gefahr bringen. Es braucht Mut. Nicht jede und jeder hat die Courage, sich entschieden gegen eine laute Menge zu stellen und öffentlich Stellung zu beziehen. Wir aber können zumindest die Energie der positiven Worte nutzen. Auch Worte der Mäßigung, des Wohlwollens und der Liebe haben eine Stärke, die Situationen deeskalieren können – im Großen wie im Kleinen. In diesem Sinne kann jede und jeder von uns den Mund aufmachen und sollte es tun.


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