29.06.2021 Von Ingmar Nehls / Nordkurier

Mit rollendem Kloster auf neuer Mission

Franziskanisch unTerwegs

Bruder Gabriel ist zurück an der Seenplatte. Mit seinem Wohnmobil will er in „franziskanischer Mission“ durch das Land touren. Im „fahrenden Kloster“ wird Bruder Gabriel künftig unterwegs sein. Bild von Ingmar Nehls.

Als Bruder Gabriel Zönig im August 2018 die Müritzregion nach 14 Jahren verließ, floss bei der großen Verabschiedungsfeier in Waren nicht nur frisch gezapftes Bier von der Lieblingsbrauerei des Franziskanerbruders, sondern auch ein paar Tränchen bei den Gemeindemitgliedern, die ihn ins Herz geschlossen hatten und am liebsten nicht gehen lassen wollten. Nun dürften wieder Tränen fließen, allerdings Freudentränen. Denn Gabriel Zörnig ist zurück an alter Wirkungsstätte mit einer neuen Mission.

Kaum an der Müritz gelandet, rollt der bekannteste Sandalenträger der Seenplatte schon wieder los mit einem Kloster auf vier Rädern. 153 000 Kilometer stehen schon auf dem Tacho des alten Wohnmobils, und etliche kommen jetzt dazu. Bruder Gabriel will nämlich in die verlassenen Gegenden von Mecklenburg fahren. Dahin, wo es kaum noch kommunale oder kirchliche Infrastruktur gibt. Dort will er alte und kranke Gemeindemitglieder besuchen und ihnen die Krankenkommunion bringen, auf Anfrage Gottesdienste auf Zelt- und Campingplätzen halten und sich Zeit für Gespräche nehmen.

Auf einer Homepage soll die Route zu sehen sein mit festen Terminen und einem täglichen Reisebericht. Doch genauso wichtig wie das Geplante ist das Spontane, das sich ergibt in der Begegnung mit Menschen. „Franziskanisch unTerwegs“ heißt das Projekt, das in einer neunwöchigen Auszeit am Anfang dieses Jahres in Münsterschwarzach bei den Benediktinern entstanden ist.

Schlüsselübergabe: Provinzialminister Cornelius Bohl (rechts) übergibt die Schlüssel an Bruder Gabriel.
Bild von Ingmar Nehls.

Bekanntheit als Gefängnisseelsorger erlangt

„Ich habe in dieser Zeit versucht, zu meinen franziskanischen Wurzeln vorzudringen. Das Projekt geht auf die Ursprünge der Minderbrüder, der Franziskaner zurück, die sich auf den Weg gemacht haben. Im Wohnmobil bin ich eben mobil, nicht mehr zu Fuß wie damals, aber eben unterwegs. Die ersten Brüder hatten keine Klöster, nichts, was sie hinderte, weiterzuziehen wie die Apostel. Ein Standortwechsel ist leicht“, sagt Bruder Gabriel.

Am Pfingstsonntag wurden das Wohnmobil und das Projekt bereits von Bruder Martin, Pfarrer der katholischen Pfarrei, gesegnet. Am 1. Juli rollt das Projekt der Deutschen Franziskanerprovinz an. Darum ist am Mittwoch der Provinzialminister Cornelius Bohl aus München angereist, um die Schlüssel symbolisch zu überreichen und das Projekt offiziell zu starten. Dass es 2021 losgeht, also genau 800 Jahre, nachdem die ersten Franziskaner zu Fuß über die Alpen nach Deutschland kamen, ist für Pater Corneliusl kein Zufall. „Sie haben sich in Bewegung gesetzt, sind da hingegangen, wo die Menschen waren. Unterwegs sein, das ist Teil der franziskanischen DNA“, sagte Cornelius Bohl und hofft, dass nach einer Anlaufzeit das Erzbistum Hamburg und Berlin in die Finanzierung mit einsteigt.

Unterstützung kommt auch von der Basis. Bernd und Theresa Ramme haben sich entschieden, monatlich eine Spende zu überweisen, damit der Tank gefüllt werden kann. „Bruder Gabriel ist ein Andockpunkt. Er hat den franziskanischen Geist und die Gabe, Menschen mit seinem Temperament und seiner Energie anzuziehen“, sagte Bernd Ramme. Bekanntheit hat Gabriel Zörnig in der Region vor allem als Gefängnisseelsorger erlangt. Er kümmerte sich um gefangene Straftäter in der Jugendanstalt Neustrelitz sowie in der JVA Neubrandenburg und in Bützow.

2018 hatte er den mit 10.000.- Euro dotierten und ältesten Sozialpreis des Landes, den Siemerling-Sozialpreis, erhalten. Das Geld behielt Zörnig nicht. 5000.- Euro gingen an die Suppenküche der Franziskaner in Berlin-Pankow, für den Rest wurden zwei Esel und die Ausstattung der Therapie-Tiere der Jugendanstalt in Neustrelitz gekauft.


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