02.01.2018 Stefan Federbusch ofm

27 Elemente franziskanischer Spiritualität: 19. Einander Barmherzigkeit erweisen

„Die Hungrigen speisen“ – Einander Barmherzigkeit erweisen. Bild von Archiv Suppenküche Berlin-Pankow.

Die Berufung von Franziskus war es, das Evangelium (griech. = gute Nachricht) zu leben. Bedingt durch die Vielfalt des Evangeliums ist es immer nur möglich, bestimmte Aspekte hervorzuheben und in eine bestimmte Lebensweise umzusetzen. Die Spiritualität (spiritus: latein. = Geist) eines Menschen oder einer Gruppe von Menschen ist daher geprägt von dem Blickwinkel, von dem er bzw. sie auf das Evangelium schaut und von den Erfahrungen, die sein bzw. ihr Leben geprägt haben.

Da auch das Leben und Wirken von Franziskus äußerst vielfältig und vielschichtig ist, beschränkt sich die Darstellung auf einige wesentliche Grundzüge seiner Spiritualität sowie kurzer Hinweise auf Bestandteile einer franziskanischen Spiritualität heute.


In 27 Elementen reflektiert Bruder Stefan Federbusch die franziskanische Spiritualität und ihre konkrete Umsetzung. Gott ist es, der im Menschen wirkt. Die Barmherzigkeit Jesu begegnet uns an vielen Stellen im Evangelium. Auch Franziskus, der sich eng am Handeln Jesu ausrichtet, erweist seinen Brüdern an vielen Stellen Barmherzigkeit. Sie ist das 19. Element franziskanischer Spiritualität.

27 Elemente franziskanischer Spiritualität

19. Einander Barmherzigkeit erweisen

Franziskus war es wichtig, niemanden zu verurteilen, weder ob seiner Kleidung noch seines Lebensstiles noch seiner Verfehlungen (vgl. Gef 14,58). Auch gegen die Brüder, die sich verfehlt hatten, übte er Nachsicht und Barmherzigkeit und forderte dies auch von den Ministern (Leitungsverantwortlichen) ein: „Und darin will ich erkennen, ob du den Herrn und mich, seinen und deinen Knecht, liebst, wenn du folgendes tust, nämlich es darf keinen Bruder auf der Welt geben, mag er auch gesündigt haben, soviel er nur sündigen konnte, der deine Augen gesehen hat und dann von dir fortgehen müsste ohne dein Erbarmen, wenn er Erbarmen sucht. Und sollte er nicht Erbarmen suchen, dann frage du ihn, ob er Erbarmen will. Und würde er danach auch noch tausendmal vor deinen Augen sündigen, liebe ihn mehr als mich, damit du ihn zum Herrn ziehst. Und mit solchen habe immer Erbarmen“ (Min 9f.)

Die ersten Gefährten bestätigen, dass Franziskus selbst diese Haltung gelebt hat: „Denn Franziskus sprach voll Mitleid zu ihnen, nicht wie ein Richter, sondern wie ein barmherziger Vater zu seinen Söhnen und wie ein guter Arzt zu den Kranken. Er verstand es, mit den Schwachen schwach und mit den Betrübten traurig zu sein“ (Gef 14,59). Ein exemplarisches Beispiel dafür ist seine Solidarität mit dem Bruder, der nachts von Hunger gequält wird. „Da ließ der selige Franziskus ein Mahl bereiten, und weil er ein Mensch voll Liebe und Weisheit war, aß er mit jenem Bruder, damit er sich nicht schäme, allein zu essen; und weil er es so wollte, aßen auch alle anderen Brüder mit ihm“ (SP 27).

Einander Barmherzigkeit erweisen heute:

  • Barmherziger Umgang mit der eigenen Unvollkommenheit und Schwäche und mit der der anderen
  • Wertschätzung auch des Fragmentarischen und Gebrochenen

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