02.05.2017 Stefan Federbusch ofm

27 Elemente franziskanischer Spiritualität: 7. Eine weltbejahende „eingefleischte“ Spiritualität entwickeln

Durch seine Menschwerdung wird die Nähe Gottes in dieser Welt erfahrbar. Der große Gott macht sich klein, er entäußert sich. Er ist der demütige. Bild von Matthias Hübner / pixelio.de.

Die Berufung von Franziskus war es, das Evangelium (griech. = gute Nachricht) zu leben. Bedingt durch die Vielfalt des Evangeliums ist es immer nur möglich, bestimmte Aspekte hervorzuheben und in eine bestimmte Lebensweise umzusetzen. Die Spiritualität (spiritus: latein. = Geist) eines Menschen oder einer Gruppe von Menschen ist daher geprägt von dem Blickwinkel, von dem er bzw. sie auf das Evangelium schaut und von den Erfahrungen, die sein bzw. ihr Leben geprägt haben.

Da auch das Leben und Wirken von Franziskus äußerst vielfältig und vielschichtig ist, beschränkt sich die Darstellung auf einige wesentliche Grundzüge seiner Spiritualität sowie kurzer Hinweise auf Bestandteile einer franziskanischen Spiritualität heute.


In 27 Elementen reflektiert Bruder Stefan Federbusch die franziskanische Spiritualität und ihre konkrete Umsetzung. Die Menschwerdung Gottes, seine Gegenwart mitten in der Welt, unter den Schwachen und Kleinen, ist für Franziskus von großer Bedeutung. Gott lebt mitten in seiner Schöpfung, mitten in der Welt. Sie bildet das 7. Element in der Betrachtung franziskanischer Spiritualität.

27 Elemente franziskanischer Spiritualität

7. Eine weltbejahende „eingefleischte“ Spiritualität entwickeln

Der Eine Gott wohnt jedoch „in unzugänglichem Licht“ (1 Tim 6,16). Durch die Menschwerdung seines Sohnes hat er sich für uns Menschen erkennbar gemacht. Die Inkarnation Gottes ist für Franziskus der zentrale Ausgangspunkt seines Gottesverständnisses. Der große Gott macht sich klein, er entäußert sich. Er ist der demütige. „Du bist die Demut“ betet Franziskus im Lobpreis Gottes (LobGott 4). Franziskus ist derart fasziniert von diesem Geheimnis, dass er es in Greccio nachspielen lässt, die erste Krippenfeier der Geschichte (vgl. 1/2 C 84).

Durch seine Menschwerdung wird die Nähe Gottes in dieser Welt erfahrbar. Auch wenn Franziskus formuliert: Nach der Begegnung mit dem Aussätzigen „hielt ich eine Weile inne und verließ die Welt“ (Test 3), so meint dies ein Verlassen seiner bisherigen Welt und einen Standortwechsel (s. u.), der mit einer neuen Hinwendung zur Welt verbunden war: zur Welt, in die Gott sich „eingefleischt“ hat, die er bejaht, die er erlösen will. „Welt“ ist als Schöpfung positiv zu sehen. „Welt“ ist aber auch der Ort, an dem sich der Mensch von Gott lossagt und sich in sich selbst verschließt. Diese Art von Welt verlässt Franziskus, um ein Leben der „Buße“ zu führen, d.h. ein Leben in der Hinwendung zu Gott (s. u.).

Eine weltbejahende „eingefleischte“ Spiritualität entwickeln bedeutet heute:

  • Bejahung der Welt
  • Christliches Leben mitten in der Welt (nicht Weltflucht)
  • Eine geerdete Spiritualität in der Haltung der Demut („humilitas“: darin steckt „humus“ = Boden)
  • Die Hinwendung zu den Menschen
  • Das Achten des Kleinen und Geringen

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