08.07.2021 Pater Cornelius Bohl ofm, Provinzialminister

Exerzitienhaus Hofheim: Franziskaner geben im Sommer 2025 die Trägerschaft ab

Orden trennt sich von der Immobilie am Stadtrand von Hofheim

Exerzitienhaus Hofheim

Die Provinzleitung der Deutschen Franziskanerprovinz hat beschlossen, zum Sommer 2025 die Trägerschaft des Exerzitienhauses in Hofheim aufzugeben und sich damit aus Hofheim zu verabschieden.

Die Entscheidung, das Franziskanische Zentrum für Stille und Begegnung im Zentrum des Rhein-Main-Gebiets in vier Jahren zu schließen, ist ein massiver und schmerzlicher Einschnitt für uns Franziskaner in Deutschland. Aber wir sehen uns nicht in der Lage, das traditionsreiche Haus mit großer Ausstrahlung aus eigener Kraft längerfristig zu erhalten und in eine gute Zukunft zu führen. Zwei Gründe sind dafür maßgeblich: Uns fehlen Brüder, die dort auch in weiterer Zukunft Menschen geistlich begleiten und religiöse Bildungsarbeit leisten können. Außerdem stehen Brandschutzmaßnahmen und notwendige Sanierungen an, die uns auf Dauer finanziell überfordern. Verschiedene Überlegungen, das Exerzitienhaus in veränderter oder neuer Trägerschaft weiterzuführen, haben sich als nicht zielführend erwiesen.

Die Deutsche Franziskanerprovinz beabsichtigt, sich von der Immobilie am Stadtrand von Hofheim zu trennen. Bis zum Abschied 2025 ist nun Zeit, entsprechende Perspektiven zu entwickeln. Bis dahin wird das Haus weiter für Gäste und Gruppen offenstehen.

Das Exerzitienhaus am Fuße des Kapellenberges nahm 1926 seinen Betrieb auf. 1939 wurde die Einrichtung durch die Nationalsozialisten gewaltsam geschlossen und in der Folgezeit als Lazarett und Lungenheilstätte genutzt. Von 1980 bis 1982 und von 2005 bis 2006 erfolgten gründliche Sanierungs- und Modernisierungsarbeiten. Durch eine stetige konzeptionelle Weiterentwicklung hat das Haus überregionale Bedeutung auch in der Diözese Limburg, in der Franziskanischen Familie und weit darüber hinaus. Der Abschied von Hofheim fällt in eine Zeit, in der sich auch viele andere Ordensgemeinschaften und Diözesen von geistlichen Bildungshäusern trennen müssen.


Ein Kommentar zu “Exerzitienhaus Hofheim: Franziskaner geben im Sommer 2025 die Trägerschaft ab

  1. Mit dem Abschied von Hofheim verlieren die Menschen in diesem Gebiet dann vollständig die Präsenz der Franziskaner. In einem der Nachbargemeinden, nämlich Kelkheim, gab es ebenfalls einmal ein Franziskanerkloster, das sogar kurzzeitig als Noviziatshaus diente. Auch dieser Konvent war „hautnah“ an der deutschen Geschichte, war doch während des Dritten Reichs der BDM (Bund deutscher Mädel) im Kloster untergebracht – wenn mich mein Gedächtnis nicht trügt. Die Duschräume konnte man noch in den 80er Jahren im Kellergeschoss sehen. Die Franziskaner hatten viele Freunde im Ort, die die Brüder finanziell oder materiell unterstützten. Mit dem Weggang von Hofheim in 2025 verliert die Region also ganz und gar die Anwesenheit der Franziskaner. Es mag ja sein, dass es keine neuen Brüder gibt, die die Arbeit im Bildungshaus weiterführen können. Aber hat man bei der Entscheidung nicht einmal bedacht, dass man wenigstens einen kleinen Brüderkonvent hätte erhalten können, damit den Menschen in Hofheim und Kelkheim wenigstens das erhalten bleibt? Ich sehe da jedenfalls nur ein ersatzloses Streichen, ja, fast schon ein zu Tode schrumpfen in der deutschen Gesamtprovinz – bei allem Verständnis für die „personelle“ Situation. Warum nicht neue Wege gehen? Wie heisst es so schön: Wer nicht wagt, der nicht gewinnt. Also: Warum keine Gemeinschaft aus Brüdern des ersten Ordens und vielleicht Brüdern aus der FG? Und wann kommt endlich die Wiedervereinigung der drei franziskanischen Männerorden? Man kann ja viel über Ökumene reden, aber wenn man es nicht einmal innerhalb der katholischen Kirche schafft, eine Gemeinsamkeit zu finden, ein gemeinsames Gehen des gleichen Weges, wie soll man dann mit den reformierten Christen auf einen grünen Zweig kommen, wo doch da theologische Hindernisse im Weg stehen (siehe Mahlgemeinschaft u.a.)?

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