14.06.2022

Franziskaner beziehen Position

Positionspapier der Deutschen Franziskaner

Positionsmarker – Franziskaner beziehen Stellung zu aktuellen Fragen der Kirche heute.
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Die Brüder der Deutschen Franziskanerprovinz haben auf ihrem Provinzkapitel vom 6. bis 10. Juni 2022 in Haus Ohrbeck bei Osnabrück ein Positionspapier zum Thema „Kirche“ verabschiedet. Unter dem Titel „Kirche sein in der Freiheit der Kinder Gottes“ beschreiben sie in sieben Punkten ihre Vorstellung einer Kirchengestalt heute.

Auf der Grundlage der franziskanischen Spiritualität machen sie sich stark für eine jesuanische und geschwisterliche Kirche, eine Kirche der Vielfalt und der Ohn-Macht sowie eine Kirche des Dialogs, der Schöpfungsverantwortung und der Sendung. Als Teil der Kirche unterstützen sie den Synodalen Weg in Deutschland und die Bemühungen um die Erneuerung der Kirche. Eine Kirche der Vielfalt bedeute die Wertschätzung der verschiedenen geschlechtlichen Identitäten und sexuellen Orientierungen, Begabungen und Biografien sowie spirituellen und liturgischen Formen; eine Kirche, in der alle Getauften zur Mahlgemeinschaft eingeladen sind.

Auch wenn es unterschiedliche Positionen innerhalb der Provinz gibt, sprachen sich die sechzig Delegierten mit großer Mehrheit für einen gleichberechtigten Zugang von Männern und Frauen zu den kirchlichen Weiheämtern aus. Sie wünschen in Anlehnung an die eigene Praxis in der Ordensgemeinschaft eine zeitliche Begrenzung der Leitungsdienste und dass diese nicht notwendigerweise an die sakramentale Weihe gekoppelt sein müssen. Sie machen sich stark für den Dialog mit anderen Religionen, für die stärkere Wahrnehmung von Schöpfungsverantwortung sowie ein prophetisches Engagement für Gerechtigkeit und Frieden.

Zur eigenen Glaubwürdigkeit beitragen soll die unabhängige Aufarbeitung der Missbrauchsfälle in der Ordensgemeinschaft. In den vergangenen drei Jahren wurde ein umfassendes Präventionskonzept zur Verhinderung sexualisierter Gewalt ausgearbeitet und umgesetzt.

Weitere Themen der Kapitelsteilnehmer waren u.a. die Struktur- und Zukunftsplanung der Provinz, die Exerzitienarbeit, die Zusammenarbeit mit anderen Institutionen und mit Laien, die Inkraftsetzung des Ausbildungsrahmens, die Ermöglichung einer internationalen Gemeinschaft und die internationale Kooperation.

Turnusgemäß standen Neuwahlen an. Zum neuen Provinzialminister wurde Bruder Markus Fuhrmann gewählt, zum Provinzialsvikar Bruder Stefan Federbusch, in das Provinzleitungsgremium Bruder Thomas Abrell, Bruder Thomas Ferencik, Bruder Martin Lütticke und Bruder Maximilian Wagner. Der bisherige Provinzialminister Bruder Cornelius Bohl wurde nach zehnjähriger Amtszeit feierlich verabschiedet.

Die Vielfalt der Arbeitsfelder der Brüder und die Aktivitäten innerhalb der Provinz spiegelten die rund dreißig Berichte aus den verschiedenen Einrichtungen wider. Der Bericht des Leiters der Provinz sowie der Bericht des Generalvisitators, die bereits im ersten Kapitelsteil vom 14. bis 17. März 2022 in Vierzehnheiligen vorgetragen wurden, verdeutlichten die Herausforderungen, vor denen die 230 Franziskaner in Deutschland in den kommenden Jahren stehen.

Das Positionspapier als PDF


6 Kommentare zu “Franziskaner beziehen Position

  1. Geehrte Franziskaner Patres!

    Im Kath. Sonntagsblatt der Diözese Bozen-Brixen vom 26. Juni 2022 S.18 steht Ihr Positionspapier „Kirche“ zu lesen. Ich bin eigentlich traurig und bei weitem nicht mit allen Punkten einverstanden, wenn man so Kirche erneuern will. Mein verstorbener Vater, ein belesener und tiefgläubiger Mann, würde sagen: „Da fehlt es am Glauben.“ Wir Ordensleute sollten dem Heiligen Vater den Rücken stärken, aber nicht auf diese Weise.
    Ich schicke Ihnen einen Auszug aus einem Brief des hl. Franziskus. Der hat gewusst, was er sagt:
    Aus dem Brief des hl. Franziskus an den gesamten Orden
    Ermahnung für die Priester
    Seht eure Würde, ihr Priester, und seid heilig, weil er selbst heilig ist! Wie Gott, der Herr, euch wegen dieses Dienstes über alle geehrt hat, so liebt auch ihr ihn mehr als alle übrigen, erweist ihm Ehrfurcht und ehrt ihn. Es ist ein großes Elend und eine beklagenswerte Schwäche, wenn ihr euch, während ihr ihn so gegenwärtig habt, noch um irgendetwas anderes in der ganzen Welt kümmert!
    Quellenangabe: cfr. Ord 23-25 (FQ 116).
    Sr. Maria Regina Rainer

    1. Liebe Schwester Maria Regina, danke für Ihre Rückmeldung und Ihr Engagement. Bitte, seien Sie nicht traurig über uns! Seien Sie versichert, es herrscht sehr viel Glauben und Liebe zu Jesus und viel Wohlwollen mit den Menschen bei den Franziskanern. Sie schreiben, dass Sie „bei weitem nicht mit allen Punkten einverstanden“ sind. Erlauben Sie mir, das anzuzweifeln. Ich bin sicher, Sie können als Ordenschristin die allermeisten der 14 „wir machen uns stark für …“ Sätze in unserem Positionspapier mitunterzeichnen. Schauen Sie mal genau hin.

    2. Liebe Schwester Maria Regina

      Ich bin ein wenig verwundert darüber, dass Sie sagen, Sie seien traurig und bei weitem nicht mit allen Punkten des Positionspapiers einverstanden. Mich würde einmal interessieren, mit welchen Punkten Sie speziell nicht einverstanden sind. Ich finde KEINE einzige Position, die nicht mit dem Evangelium vereinbar ist. Wie Sie meinem Kommentar weiter unten als Antwort auf Frau Klingers Kommentar entnehmen können, stehe ich voll und ganz hinter dem Positionspapier der deutschen Franziskaner. Würde die Amtskirche diese als Ergbenis des Synodalen Weges übernehmen, wie schön wäre es dann im Haus Gottes und wie befreit könnten sich ALLE Glieder der Kirche sich fühlen.

      In Ihrem Kommentar zitieren Sie die „Ermahnung für die Priester“, dass diese sich um nichts Weltliches kümmern sollen. Ich denke, man muss diese Weisung im Licht der damaligen Zeit betrachten, als man sehr schnell mit seinen Äusserungen in die Nähe der Häresie geriet und sich die Verurteilung durch Rom zuzog. Denke ich an Kirchenvertreter im Dritten Reich, dann muss ich sagen: Ach, hätten sie doch nicht geschwiegen! Die Kirche – und damit auch die Orden – darf nicht schweigen, ja, ist sogar verpflichtet, dort zu sprechen, wo gegen die Lehre Jesu verstossen wird und Unrecht geschieht.
      Ich finde es noch interessant, dass Sie die Ermahnung für die Priester zitieren, als würden diese den Gesamtorden abdecken. Lange genug wurden die Laienbrüder als zweitrangig angesehen, als Ordensmitglieder, die Aufgaben übernahmen, mit denen die Klerikerbrüder nichts zu tun haben wollten: Küche, Garten, Stall und andere handwerkliche Berufe. Diese Zeiten sind vorbei. Darüber bin ich froh. Nun dürfen auch Nicht-Kleriker zum Guardian gewählt werden. Zu meiner Zeit im Ersten Orden ein Ding der Unmöglichkeit!
      Der Synodale Weg wurde von Papst Franziskus initiiert. Leider gibt es unter den Synodenteilnehmern/innen auch Vertreter/innen, die das Priestertum an sich in Frage stellen und den Klerikerstand am liebsten gänzlich auflösen würden. Ich denke, hier würde man das Kind mit dem Bad ausschütten und ein Wesensmerkmal der kath. Kirche auslöschen. Aber ich möchte dennoch diese Position in den Raum stellen und fragen: Hat Jesus tatsächlich das Amt des Priesters gestiftet? Wenn ja, dann hätte dieses doch wahrscheinlich eher Ähnlichkeit mit dem des Tempelpriesters des Judentums haben müssen, oder nicht? Und es war ja ein ausgeprägtes Merkmal der ersten Christengemeinden, dass sie „Mahlgemeinschaft“ hielten, also gemeinsam assen. Da hat es doch wohl eher keine „Wandlung“ gegen, wie wir sie heute aus der Messe kennen. Von daher finde ich die Frage bzgl. des Priestertums zuminest angebracht. Und bevor hier jemandes Kamm schwillt: Die Frage betrachte ich als gerechtfertigt, aber nicht die Abschaffung des Priesteramtes!

      Wie Sie weiter schreiben, sollen die Franziskaner / die Ordensleute dem Papst den Rücken stärken. Meines Erachtens sehe ich im Positionspapier keinen Grund, dies anzuzweifeln. Wenn man aber auf dem Synodalen Weg – oder ganz generell in der Kirche – Fragen und Meinungen (also inkl. der Positionen der Franziskaner) nicht mehr äussern darf, stellt sich die Kirche extrem nahe an eine Diktatur. Die freie Meinungsäusserung muss garantiert sein, auch in der Kirche. Das hat nichts mit der Synodenforderung nach einer demokratischen Struktur der Kirche zu tun. Und so verurteile ich auch die Schweigeverpflichtung des Vatikans gegenüber Leonardo Boff im Zusammenhang mit der Theologie der Befreiung. Aber das mundtot Machen unbequemer Menschen war schon immer eine herausragende Fähigkeit der Kirche.
      Was den Papst angeht, so muss und darf ich die Frage stellen, ob er denn wirklich gewillt ist, Reformen zuzulassen. Ja, ich weiss, er hat das eine oder andere im Vatikan bereits verändert, positiv verändert. Aber haben Sie mitbekommen, dass er den Diözesanbischöfen die Entscheidungsfreiheit bzgl. Gemeinschaften in ihren Sprengeln entzogen und allein dem Vatikan zu gestanden hat? Ein Rückschritt, kein Fortschritt! (https://www.katholisch.de/artikel/39709-vatikan-sichert-sich-mehr-kontrolle-ueber-orden-in-gruendungsphase) Wie kann ich einem Papst den Rücken stärken, der so gegensätzliche Zeichen setzt?

      Zum Schluss: Ihr Vater in allen Ehren, aber ich glaube nicht, dass es den Franziskanern an Glaube fehlt. Ich sehe das Psoitionspapier sogar eher als Resultat der Auseinandersetzung mit dem Glauben als einen „neumodischer Unsinn“ an. Ich bin überzeugt, dass die Kirche für ihre Zukunft sogar sehr viel vom hl. Franziskus und dem Orden der Franziskaner lernen kann, damit diese unsere Kirche nicht zu einem Verein für wenige treue Anhänger verkommt. Die Kirche muss sich erneuern, sie muss wieder an Ausstrahlung gewinnen und in alle Ecken unserer Gesellschaft hinein leuchten. Das mag schmerzhafte Schritte verlangen. Aber eine Kirche wie zur Zeit des heiligen Franz kann es nicht mehr geben.

  2. Sehr geehrte Patres,

    ich bin traurig und bestürzt über Ihr neues Positionspapier „Kirche“.

    Ich denke nicht, dass dies die Lösung ist. Zur Zeit von Franz von Assisi war die Kirche in keinem besseren Zustand als heute. Waren es nicht von jeher „neue“ Heilige, die die Kirche wieder aufbauten?
    Ihre Änderungswünsche sind in der evangelischen Kirche bereits vorhanden, geht es dieser besser?

    Ist es nicht wichtiger nach dem Willen Gottes zu fragen? Die kath. Kirche in Deutschland sollte nicht
    dem Zeitgeist nachlaufen, sondern deutlich die Wahrheit verkünden. Christsein war zu keiner Zeit
    bequem.

    Gottes Segen

    Agnes Klinger

    1. Sehr geehrte Frau Klinger,
      in meinen Augen verheißt das franziskanische Memorandum einen neuen und entschiedenen Aufbruch, der nicht dem sog. „Zeitgeist“, sondern den Forderungen des Evangeliums entspricht, die für jede Zeit neu zu aktualisieren sind – unabhängig von Alter, Konfession, Geschlecht und sonstigen „Kontingenzen“. Ich fürchte, dass es die eine Wahrheit, auf die Sie hinweisen, nie gegeben hat und ich würde mich auch davor scheuen, meine eigene Sicht mit dem Willen Gottes zu verwechseln. Dass, was in Ihren Augen der sog. „Wille Gottes“ ist, stellt sich bei näherer Betrachtung als der Wille einer anderen, vergangenen Zeit dar, in der wir nicht mehr leben… Es ist auch fatal, heutige Suchbewegungen immer mit dem Hinweis auf die Evangelische Kirche abwürgen zu wollen. Hier sind einfach andere theologische Hintergründe bestimmend, die mit unseren Suchbewegungen nicht zu verwechseln sind. Dass freilich das, was Sie als trennend markieren wollen, die Christenheit heute weitgehend verbindet und gerade in den Ordensgemeinschaften weltweit aufleuchtet, ist en hoffnungsvolles und frohmachendes ökumenisches Zeichen. Ich freue mich über das Dokument aus München – dass auch dieses unbequem sein kann, verrät ja bereits Ihre Zuschrift.
      Gottes Segen für Sie!

    2. Sehr geehrte Frau Klinger

      Ich finde es immer wieder „erfrischend“, wenn einem statt Offenheit zum Diskurs ein abschmetternder Verweis wie „die evangelische Kirche hat das schon“ entgegengeworfen wird. Übrigens hat Papst Franziskus sich auch in einem Interview zu einer solchen Aussage verstiegen. Ich betrachte mich wahrlich nicht als ausgesprochen progressiv, aber als ich gerade erst gestern meinen Schwestern und Brüdern der FG den Link zum Positionspapier gesandt hatte, kam als Antwort von einer Mitschwester, dass doch die Progressiven zu den Alt-Katholiken übertreten könnten, denn da gäbe es doch schon alles, was gefordert wird. Wenn das die Patentlösung wäre, könnte man den Reformunwilligen genau so gut sagen, sie sollen der Piusbruderschaft beitreten. Aber solche Ratschläge führen zu nichts und behindern vielmehr die Auseinandersetzung mit der derzeitigen Situation der Kirche. Und diese Auseinandersetzung braucht es dringend! Ob nun die Forderungen des deutschen Synodalen Weges weiterführen, das lasse ich mal dahingestellt sein. Einige dieser Forderungen und Vorschläge gehen auch mir persönlich zu weit. Und ich sehe wie der eine oder andere Bischof die Gefahr, dass hier das Thema Missbrauch instrumentalisiert wird. Ich kann den Synodalen nur empfehlen, das Kind nicht mit dem Bad auszuschütten. Aber eines bleibt dennoch klar: Es braucht die Auseinanderstzung mit all den Themen, die in den einzelnen Synodenforen behandelt werden. Es braucht die Freiheit zum Gedankenaustausch und auch zum einen oder anderen „ketzerischen“ Vorschlag – und sei es nur, dass man ihn uni sono als nicht weiterführend oder gar falsch verwirft.
      Die Kirche hat sich schon immer mit Händen und Füssen gegen wissenschaftliche Erkenntnisse gewehrt (siehe Galileo Galilei). Ohne den Mut zum Forschen und freien Denken, hätten wir wohl immer noch das Bild der Erde als Scheibe. Wir brauchen keine kirchlichen Amtsträger, die uns diktieren, was wir zu denken haben. Wir brauchen keinen von Menschenhand fabrizierten Leitfaden, wen wir zu lieben haben und wen nicht. Auch hier verweise ich auf naturwissenschaftliche Erkenntnise und erinnere an den Biologieunterricht der Schule, wo man bereits lernen konnte, dass es gleichgeschlechtliche Paare unter Enten und Pinguinen gibt. Und auch wenn die Kirche immer wieder betont, dass sie offen ist für andersempfindende Menschen, sprich für queere Menschen, dann ist das nur die halbe Wahrheit, denn die Kirche spaltet diese Menschen und verlangt von ihnen ein zölibatäres Leben, denn die Sexualtität dieser unserer Brüder und Schwestern wird als „pfui“ angesehen. Irgendwie schizophren.
      Das Positionspapier der deutschen Franziskaner ist Ausdruck von dem, was viele Kirchenmitglieder sich wünschen. Und den einen oder die andere mögen die Ideen schockieren. Aber wenn wir uns dem Nachdenken in Freiheit, ohne Zwang und Gängelei, verschliessen, wird „das Schiff, das sich Gemeinde nennt“ weiter vor sich hin dümpeln und nirgendwohin gelangen. Dass wir uns bewegen MÜSSEN, ist wohl klar. Denn ein einfaches „weiter so“ kann es nicht mehr geben.

      Ich schliesse mich Frau Bergmeyer an. Wir sind das pilgernde Volk Gottes, wie es das Zweite Vatikanum formuliert hat. Und Pilger sind immer auch Menschen, die suchen. Machen wir uns doch alle auf diesen Weg des Suchens. Denn dazu hat uns Gott die Freiheit geschenkt! Lassen wir uns ein auf das Nachdenken über den Weg zum Ziel.

      Pace e bene!

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