09.06.2021 Deutsche Franziskanerprovinz / Buchempfehlung

Pilgerbuch der Seele

Bilder, Gebete, Gedichte, Meditationen eines Franziskaners und Pilgers

Pilgerbuch der Seele. Ein franziskanisches Pilgerbuch. Bilder, Gebete, Gedichte, Meditationen von P. Claus Scheifele.

Mit dem „Pilgerbuch der Seele“ eröffnet Pater Claus Scheifele anhand von Bildern, Gebete, Gedichten und Meditationen dem Leser einen Blick auf seine persönlichen Lebens- und Gotteserfahrungen. Er will Gott suchende Menschen mitnehmen auf einen persönlichen Pilgerweg zu Gott.

Im Vorwort des Buches erläutert P. Claus was ihn zu diesem Buch bewogen hat.

„Die Franziskaner verstehen sich seit Franziskus als Pilger und Fremdlinge und in meinem Leben als Franziskaner führte mich dieses Pilgerdasein an viele Orte, in manche Länder und sogar in andere Kontinente“ In dem ich diese Texte veröffentliche, gebe ich manches Innere von mir preis. Ich tue dies, weil ich glaube, dass mancher Gottsucher dafür dankbar ist, wenn ich als Priester und Ordensmann durch meine Glaubenserfahrungen bezeuge, dass mein Pilgerweg zu Gott ein nicht ungefährliches Abenteuer ist, das ich dennoch frohgemut im Vertrauen auf Gott auf mich nehme“.

Produktinformation

Claus Scheifele OFM „Pilgerbuch der Seele

  • Verlag: fe-Medienverlag Kißlegg
  • 1. Auflage 2021
  • 104 Seiten
  • ISBN: 978-3-86357-293-8
  • Preis: 12,80.- Euro

Interview mit P. Claus Scheifele

P. Claus Scheifele will mit seinem Pilgerbuch der Seele Gott suchende Menschen mitnehmen auf einen persönlichen Pilgerweg zu Gott. Bild von P. Claus Scheifele.

Sie nennen ihr Buch Pilgerbuch der Seele. Sind sie der Pilger des Buches?

Wir Franziskaner bezeichnen uns manchmal als Pilger und Fremdlinge. Auf mich trifft das schon rein biografisch zu. In meinen über 50 Ordensjahren lebte ich drei Jahre in Österreich, neun Jahre in Afrika, kurze Zeit in Amerika, ein Jahr in Italien und drei Jahre in Irland. In Deutschland war ich nie länger als sechs Jahre in einem Kloster.

Als Pilger fühle ich mich aber auch wegen einer gewissen Heimatlosigkeit überall auf dieser Welt. Auch wenn ich mich stets voll einsetze, so richtig daheim bin ich nirgends. Ein Pilger ist ja auch nie daheim und solange unterwegs, bis er das Ziel erreicht hat. In jungen Jahren habe ich einmal geschrieben:

Wüstenwanderung

Wann endet dieser irre Weg durch meine Wüste,
wo fließt ein Quell,
wo wiegt ein Grashalm sich im Winde?
die Bäche, Ströme, Meere,
ihr Wasserrauschen –
habe ich’s nie gehört?
Nur der Durst,
der quälende Durst treibt mich weiter,
zu suchen
Weiß nur nicht ,
wo.

Nun bin ich alt und nicht mehr so gequält leidensvoll und weiß inzwischen besser, wo ich zu suchen habe. Aber dafür bin ich dem Ziel der Pilgerschaft näher, und das heißt dem Tod. Und das ist ja auch eine Herausforderung. Der folgende Text kam mir kürzlich:

Todesübung

Einmal die Augen schließen und nicht mehr öffnen müssen,
einmal sich niederlegen und sich nicht mehr erheben.
Und alles, alles lassen,
was ich habe, kann und bin,
selbst Dich dann lassen,
wenn Todesmüdigkeit die Sinne schwinden lässt.
Doch Du wirst mich nicht lassen.
An Deiner Hand durch Nacht und Dunkel
wirst in das Land mich leiten,
das Du verheißen hast.

Wie kam es zu der Veröffentlichung ihres Gedichtbandes Pilgerbuch der Seele?

Die beiden zitierten Beispiele zeigen, dass ich im Laufe meiner Pilgerschaft immer wieder mal ein Gedicht geschrieben und gesammelt habe. Das weist auf einen weiteren Aspekt der Pilgerschaft hin, auf den Lebensweg vom jungen Mann bis zu dem, was ich heute bin. Das Pilgerbuch ist gewissermaßen ein Tagebuch meines langen geistlichen Weges.

Zu dem Buch aber kam es so: Ich hatte also – inzwischen im Computer – eine Sammlung von solchen Texten. Aus meiner Zeit als Guardian von St. Anna in München entstand eine Freundschaft mit dem bekannten Autor und Journalisten Paul Badde, der jetzt in Rom lebt. Um mich ihm geistlich zu öffnen, sandte ich ihm absichtslos diese Texte. Er war so angetan davon, dass er sie gleich weiterleitete an seinen Verleger Bernhard Müller vom fe-medienverlag. Und der akzeptierte. Und so kam es zu dem Buch.

Sie haben sich also nicht hingesetzt und gesagt: „Jetzt schreibe einen Gedichtband.“ Wie entstehen bei ihnen diese Texte?

Seit vielen Jahre beginne ich meinen Tag mit einer stillen Meditation. Ich sitze da, denke nicht nach, stelle mir nichts vor, sondern sage einfach „Gott“ oder „Jesus“. Dann und wann kommen dann einfach ein paar Worte, wie kürzlich:

Jetzt

Nicht gestern, nicht morgen,
nicht einmal heute,
nur jetzt
dieser Augenblick
heilige Gegenwart
Abbild der Ewigkeit
DU

Eigentlich sind alle meine Gedichte in Wirklichkeit Gebete, oder besser, Eingebungen.

Als Priester habe ich jeden Tag mit Lesungen aus der heiligen Schrift zu tun, die oft schwer verdaulich sind, wie z.B. Hiob, oder das Opfer Isaaks durch Abraham. Dafür versuche ich den Gläubigen einen Sinn zu erschließen. Hinterher schreibe ich das dann in etwas gebundener Form nieder. So entstehen die biblischen Texte aus der Verkündigung – und sollen auch im Buch Verkündigung sein.

Fromm im üblichen Sinne sind ihre Texte ja nicht, oder?

Fromm im üblichen Sinn bin ich auch nicht. Ich hasse Kitsch und Blümchenpoesie. Ein Kapitel des Pilgerbuches ist „Hadern“ und ein anderes „Widerstand“. Ich bin ein Zweifler, ein Ringender. Ein verzweifelt Glaubender. Insofern fühle ich mich den Psalmisten verbunden, die ihre Verzweiflung und Verlorenheit Gott klagen. Auch das ist Frömmigkeit.

Deshalb bekomme ich auch von Lesern meines Pilgerbuches oft die Rückmeldung: „In vielen Ihrer Texte finde ich mich selber wieder.“ Unsere Zeit ist auch eine Zeit der „Gottesfinsternis“. Indem ich mich in meiner Not offenbare, will ich auch Zeugnis geben über einen ehrlichen Glauben ohne Zuckerguss.

Haben Sie schon andere Veröffentlichungen?

Vor 20 Jahren habe ich das Buch „Faszination Evangelium“ (edition Coelde Verlag) geschrieben. Es ist ein Bilderbuch mit intensiven Texten, in denen ich zeigen wollte, wie auch heute die Faszination des Evangeliums uns Franziskaner leitet. Heute sind schon viele der dort Abgebildeten gestorben oder ausgetreten. Das Buch ist Geschichte geworden.

Als ich vor fünf Jahren in San Damiano ein Sabbatjahr verbringen durfte, habe ich im Josef Fink Verlag das Buch „Sturm und Stille“ gemacht. Vom Fenster meiner Zelle hatte ich einen wunderschönen Blick ins Rietital auf Rivo Torto. Da faszinierten mich die täglichen Wolken und Landschaftsstimmungen so sehr, dass ich sie fotografierte. Die Bilder erschienen mir wie Seelenbilder. So schrieb ich jedem Bild eine Seelenstimmung zu, wählte ein Schriftwort und einen Franziskustext und schrieb dazu eine kurze Meditation.

Auch das neue Pilgerbuch verwendet ihre Fotos. Welche Rolle spielen die Bilder in diesem Buch?

Paul Badde sagte zu mir: „Du bist ein Augenmensch.“ Das stimmt auch. Schon bevor ich Franziskaner wurde, als Angestellter in einer Eisenhandlung, habe ich Schaufenster dekoriert und Prospekte gemacht. Ich sehe ein Bild, und ohne Schwierigkeit kommt mir ein Text dazu in den Sinn. Ich muss mich nur hinsetzen und schreiben.

Ich fotografiere auch gern. Über zehn Jahre lang habe ich die Provinzzeitschrift der Bayerischen Franziskanerprovinz „KONTAKTE“ herausgegeben. Fotos, Texte, Design war meistens alles von mir.

Die Verbindung von Bild und Text ist sicher auch etwas, was heutige Menschen anspricht – oder anders gesagt, ein Buch nur mit Text findet schwerer Interesse.

Die letzten beiden Kapitel des Pilgerbuches sind positiver als die vorausgehenden: „Ergebung“ und „Neu geboren“. Spiegelt sich darin auch ihre innere Entwicklung wider?

Ganz gewiss. Wenn ich daran denke, wie ich als junger Pater ein paar Jahre mich mit der Zen-Meditation abmühte, dasaß und sehnsüchtig auf das Glockenzeichen wartete, das das Ende der halben Stunde Meditationszeit ankündigte.

Oder auch später, wie ich mich schwer sammeln konnte und immer so eine innere Unruhe spürte. Heute setzte ich mich um 5.00 Uhr früh in meinen Polsterstuhl, schließe die Augen und bin dann meistens „da“. Eine oder eineinhalb Stunde so zu sitzen ist mir leicht geworden. In so einer Stunde entstand z.B. dieser Text:

Meditation

Schweigen
nur sein
geduldig harren auf den Herrn
und schließlich
still erkennen
dass er
bekannt und unbekannt
schon immer da ist.

Was ist eigentlich der tiefste Beweggrund dafür, dass sie immer wieder solche Dinge schreiben?

Ich sage es nicht gern. Aber der tiefste Grund dafür liegt zurück in der Zeit, als ich zehn Jahre alt war und die Erstkommunion feierte. Beim Empfang der Hostie erlebte ich eine kurze Ekstase, in der ich Gott intensiv gespürt habe. Dies konnte ich nie mehr vergessen. Solche Erfahrungen wurden mir – selten genug – immer wieder mal geschenkt.

Das ist der Hintergrund der „Heimatlosigkeit“, des „Fremdseins“ und „Durstes“ von denen ich anfangs sprach, eine unstillbare Sehnsucht nach Gott, die erst gestillt sein wird, wenn mein Pilgerweg in ihm mündet.


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