21.04.2021 Bruder René Walke

„Ich würde es wieder tun!“

Franziskaner werden, Franziskaner sein

Bruder René Walke.
Bild von Archiv Deutsche Franziskanerprovinz.

2001 las ich zum ersten Mal das Evangelium und begann, an Gott zu glauben; ein wesentlich passiverer Akt, als der Ausdruck „Zu glauben beginnen“ vermuten lässt.

Mir begegneten damals viele franziskanische Impulse: Ich sah ein Taukreuz und spürte unerklärliche Neugier herauszufinden, was dieses Kreuz bedeutet. So stieß ich auf Franziskus. Ich lebte in Marburg und besuchte die Burg: Auf Schritt und Tritt fand ich franziskanische Spuren, besonders die von Elisabeth von Thüringen. Ich kaufte mir ein Buch über das franziskanische Engagement weltweit. Es ließ mich nicht los.

„Ist das ein Weg für mich? Ist das mein Weg?“ Ich hatte auch begonnen zu beten, und irgendwann war mein Gebet: „Gott, wenn Du mich weiterhin mit diesen Gedanken aufwachen lässt, bewerbe ich mich bei den Franziskanern – wenn sie mich nehmen, dann soll das mein Weg sein.“ Es lag ein Zauber in diesem Berufungs- und Beziehungsgeschehen.

2005 im Noviziat fragte mein Noviziatsleiter mit Staunen oder Verwundern in der Stimme: „Wie ist das für dich, in eine Gemeinschaft einzutreten, die aus zumeist älteren Brüdern besteht und dabei ist, die meisten Klöster aufzulösen?“ Damals sagte ich spontan: „Ich würde mir Sorgen machen, wenn wir keine Klöster auflösen. Für mich ist es spannend und herausfordernd, neue Wege als Franziskaner zu gehen, und dafür scheint mir in naher Zukunft viel Raum zu sein!“

Heute kommen mir diese Worte nicht so vorschnell in den Sinn. Dennoch: Ich bin sicher, dass das Berufungs- und Beziehungsgeschehen auch heute lebendig ist: in mir und in unserer Welt.

Ich glaube, dass es uns Franziskanern wie auch unserer Kirche heute ganz ähnlich geht wie den ersten Brüdern, die nach Deutschland kamen: Sie konnten die Sprache nicht, die die Menschen verstehen, und daher scheiterten sie zunächst. So sehe ich auch unsere Zeit und unsere Versuche, die frohe Botschaft zu verkünden: Wir suchen eine neue Sprache, Körpersprache, digitale Sprache, einfache Sprache, ehrliche Sprache und franziskanische Sprache, durch die das Evangelium 2021 Gehör findet.


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