23.07.2021 Bruder René Walke

Außerhalb jeder Vorstellungskraft

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Oft ist das, was uns beschäftigt, uns sorgt und uns Angst macht, auch die Quelle für das, was jetzt dran ist. Mit dem Blick auf die Welt aus ihrer Perspektive kommentieren Franziskaner jeden Freitag, was sie wahrnehmen.


Bruder René Walke

Das Leid der Opfer der Hochwasserkatastrophe wird auch denen immer bewusster, die nicht direkt betroffen sind. Verlust von Leib und Leben sowie Hab und Gut prasselt von jetzt auf gleich mit unvorstellbaren Wassermassen ins Leben der Menschen.

Im Nachhinein kann der Hergang der Katastrophe nachgezeichnet werden und die Gründe, die zu dieser unglaublichen Flut geführt haben, werden nachvollziehbarer. Das Leid der Opfer und aller Mitleidenden wird dadurch nicht gemindert. So bleibt dieser Schmerz „außerhalb jeder Vorstellungskraft“, wie Mechthild Heil, Bundestagsabgeordnete aus dem Wahlkreis Ahrweiler, es in einem Interview formulierte.

Die Hilfsbereitschaft der Bevölkerung aus unserem ganzen Land kann mit ähnlichen Worten beschrieben werden: Plötzlich kommen wildfremde Menschen ins Hochwassergebiet und packen mit an, um die alle Ausmaße überschreitenden Schäden aufzuräumen. Auch hier spielt die Vorstellungskraft mit, wie sonst käme jemand auf die Idee, Kartons mit Kinderspielzeug zu füllen und den Betroffenen über schnell gegründete Hilfsorganisationen zukommen zu lassen. Hier hat sich jemand in die Betroffenen hineinversetzt, in die Familien, in die geschockten Herzen der Kinder.

Es ist schwer, hier Gott ins Spiel zu bringen, ist er doch derjenige, der auch Schlamm und Wasser geschaffen hat. In Jesus jedoch ist er einer von uns geworden und versetzt sich somit mit der intensivsten Vorstellungskraft in mein Leben hinein, um mir letztlich eine Verheißung zu geben, die außerhalb jeder Vorstellungskraft liegt: Selbst der Tod wird überwunden und uns erwartet eine vollkommene Gemeinschaft. Zeichen dafür, dass so eine Gemeinschaft schon jetzt durchbrechen will, ahne ich in den Mitleidenden und Helfenden – sowohl denen, die selbst Opfer geworden sind als auch denen, die wildfremd plötzlich auftauchen.


Der Blick zurück, der Blick nach vorne, und der Blick nach innen.
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