07.01.2021 P. Cornelius Bohl ofm

Auflösung der Klosterbibliothek auf dem Frauenberg in Fulda

Stellungnahme der Provinzleitung der Deutschen Franziskanerprovinz

Franziskanerkloster und Kirche auf dem Frauenberg. Bild von Archiv Deutsche Franziskanerprovinz.

Die Auflösung unserer Klosterbibliothek auf dem Frauenberg in Fulda hat in den lokalen Medien und in der regionalen Öffentlichkeit zu engagierten Diskussionen geführt. Dabei wurde der Eindruck erweckt, als sei damit wertvolles, mit der Region Fulda verbundenes Kulturgut verschleudert worden. Dieser verzerrten Darstellung müssen wir sehr deutlich widersprechen.

  • Die wiederholt geäußerte Behauptung, die gesamte Bibliothek mit ca. 150.000 Bänden sei ein in sich geschlossenes Kulturobjekt von herausragender Bedeutung, ist schlichtweg nicht richtig und zeugt von einer Unkenntnis der Sachlage. Nur etwa 14% der gesamten Bibliothek waren historische Bestände! Auf dem Frauenberg bestand bis 1968 eine ordenseigene Hochschule. Der weitaus größte Teil der dazugehörenden Studienbibliothek umfasste dementsprechend theologisch-philosophische Literatur des 19. und 20. Jahrhunderts, die sich deutschlandweit auch in vielen anderen Bibliotheken findet oder bereits digitalisiert ist. Zur Bibliothek auf dem Frauenberg gehörte dann beispielsweise auch eine größere Abteilung mehr oder weniger zeitgenössischer Belletristik, einschließlich einigen Metern von Taschenbuch-Krimis …
  • Wertvolle Handschriften und frühe Drucke (Inkunabeln) wurden bereits 2016 als Dauerleihgabe von der Bibliothek des Bischöflichen Priesterseminars übernommen.
  • Die tatsächlich für die Stadt und Region Fulda bedeutenden Bestände, die sog. „Fuldensia“, sowie die für unsere franziskanische Geschichte und Spiritualität bedeutenden Werke („Franciscana“) sind in unserem Besitz verblieben. Hier muss nichts gerettet werden! Wir sind uns unserer Verantwortung für dieses kulturelle Erbe bewusst und werden klären, in welcher Form diese Bücher künftig auch wieder für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden können.

Die Auflösung der Bibliothek auf dem Frauenberg steht im Kontext großer Umbrüche in unserer Ordensgemeinschaft und in der kirchlichen Landschaft überhaupt. Wir haben aktuell innerhalb eines Jahres sieben Niederlassungen aufgelöst, darunter Klöster, in denen wir über viele Jahrhunderte präsent waren. Dies ist tatsächlich ein kultureller und spiritueller Verlust! Vor diesem Hintergrund sehen wir uns personell, finanziell und von den räumlichen Möglichkeiten her nicht in der Lage, alle Bibliotheksstandorte und den gesamten Buchbestand in Zukunft selbst zu erhalten.

Nach der Zusammenlegung der ursprünglich vier selbstständigen Ordensprovinzen in Deutschland im Jahr 2010 war die Bibliothek auf dem Frauenberg in Fulda nur einer von mehreren Bibliotheksstandorten, für den eine Zukunftslösung gefunden werden musste. Bereits damals, vor zehn Jahren also, wurde entschieden, die Bibliothek in Fulda nicht aktiv weiterzuführen und auf Dauer nur die wirklich wertvollen Bestände zu sichern. Dies haben wir, auch mit der Unterstützung des Bistums Fulda, getan.

 


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