André Madaus

Gefangen in der Logik des Krieges

Erweiterte Fassung des Artikels zur Situation im Südsudan aus unserer Zeitschrift "Franziskaner", Sommer 2017.

Mehr als 25 Millionen Menschen sind derzeit in Afrika vom Hungertod bedroht. Besonders betroffen sind der Nordosten Nigerias, Südsudan, Somalia, Äthiopien und Kenia. Allein im Südsudan leiden mehr als fünf Millionen Menschen an extremem Hunger. Besonders schlimm ist die Situation für Kinder, schwangere und stillende Frauen sowie für alte Menschen.
Bild von Agentur Meinhardt

Zwei Wochen lang war Silja Engelbert, Mitarbeiterin der Don Bosco Mission, im Südsudan. Das ostafrikanische Land leidet unter einem seit Jahren andauernden Bürgerkrieg und einer akuten Hungersnot. Im Don-Bosco-Zentrum in der Hauptstadt Juba befindet sich eines von vielen Flüchtlingslagern des Landes. Nach ihrer Rückkehr war die erfahrene Projektreferentin erschüttert: „Ich selber habe noch nie so viele Waffen in einem Land gesehen. Die Militärs sind meist angetrunken, die Soldaten zu einem großen Teil Jugendliche unter 20 Jahren.“

Rückblick: Im Jahr 2011 wurde der Südsudan als 54. Staat Afrikas unabhängig. Das Land verfügt über reiche Bodenschätze, vor allem über Erdöl und Gold. Anders als viele andere Länder des Kontinents besitzt der Südsudan zudem genügend fruchtbares Ackerland. Gerade darin liegt jedoch die Tragik der gegenwärtigen Situation: Das Land könnte die Kornkammer für die gesamte Region sein, doch der jüngste Staat der Welt ist sechs Jahre nach seinem hoffnungsvollen Aufbruch auch einer der ärmsten. Eine Dürre und vor allem der seit Ende 2013 wütende Bürgerkrieg haben die Landwirtschaft weitgehend zum Erliegen gebracht.

Im Krieg stehen sich die Regierung unter Salva Kiir vom Stamm der Dinka und Rebellen unter dem ehemaligen Vizepräsidenten Riek Machar vom Stamm der Nuer unversöhnlich gegenüber. Auf beiden Seiten kämpfen Veteranen aus dem Unabhängigkeitskrieg; auch in der Regierung und den Ministerien haben vor allem ehemalige Warlords das Sagen. Sie nutzen den Staat als Selbstbedienungsladen und bereichern sich ohne Rücksicht auf die Bevölkerung. Die Kämpfe toben längst nicht mehr nur im Norden, wo sich vor allem die Ölquellen befinden, sondern haben weite Teile des Landes erfasst.

Die grösste Flüchtlingskrise Afrikas

Rund 100 Volksstämme leben im Südsudan, und es gelingt den Warlords zunehmend, sie gegeneinander auszuspielen. Inzwischen spielt sich hier die größte Flüchtlingskrise Afrikas ab: Die Zahl der Menschen, die vor der Gewalt in die Nachbarländer Uganda, Kenia und Äthiopien geflüchtet sind, wird auf 1,8 Millionen geschätzt. Nach Angaben von UNICEF sind rund zwei Millionen Kinder aus ihrer Heimat vertrieben, etwa die Hälfte davon innerhalb des Landes. Mitte Mai forderten die Vereinten Nationen 1,4 Milliarden Dollar Hilfsgelder bis Jahresende, um die Flüchtlinge in den Nachbarländern versorgen zu können.

Wie in vielen Regionen Ostafrikas trifft die extreme Dürre auch die Menschen im Südsudan sehr hart. Anfang Mai waren nach UN-Angaben 100.000 Menschen im Südsudan unmittelbar vom Hungertod bedroht, rund sechs Millionen Südsudanesen werden in diesem Jahr auf Nothilfe angewiesen sein. Die Trockenheit ist dabei nicht einmal der ausschlaggebende Faktor: Während Zehntausende hungern, gebe die Regierung mindestens die Hälfte ihrer Einnahmen für Waffen aus, kritisierte der Weltsicherheitsrat vor einigen Wochen. Die Hungersnot ist demnach vor allem auch das Resultat des Krieges und der Waffenkäufe. Ein UN-Waffenembargo scheiterte zuletzt Ende 2016 am Veto Russlands.Wer verdient am Sterben im Südsudan?

In der südsudanesischen Hauptstadt Juba kämpft der Franziskaner Federico Gandolfi auf der lokalen Ebene gegen Ursachen und Folgen des Bürgerkrieges an. Er und seine Mitbrüder bieten Jugendlichen Workshops für Friedensbildung, Versöhnung und Traumabewältigung.

Das Öl ist vielleicht die einzige Einnahmequelle für den Südsudan, aber das Öl ist nicht das Problem. Es ist die Frage, was die Regierung mit dem Geld macht, betont Bruder Federico. „Und wenn die Regierung Waffen kauft, dann muss es andere Regierungen geben, die Waffen verkaufen. Wo liegt hier die Verantwortung?“

Don-Bosco-Expertin Silja Engelbert sieht das ähnlich: „Auch andere Länder profitieren vom südsudanesischen Öl, sie unterstützen die eine oder andere Seite mit Waffen und sind daran interessiert, dass der Krieg weitergeht – so makaber das klingt. So können die Ressourcen des Landes leichter ausgebeutet werden“, sagt sie. Fachleute gehen davon aus, dass auch Waffenlieferungen mit Option auf zukünftige Bezahlung von Staaten wie Israel, Ägypten, der Ukraine und anderen den Krieg am Laufen halten.

Im Oktober 2016 wurde nahe der Hauptstadt Juba das Zentrum zur Förderung des Friedens und zur Behandlung von Traumata eingeweiht. Am Bau des „Good Shepherd Peace Center“ beteiligten sich alle 46 im Südsudan vertretenen Ordensgemeinschaften. Für die Comboni-Missionare wirkte der Deutsche Hans Eigner MCCJ bei der Errichtung mit. Bruder Hans arbeitet seit 2014 im Südsudan und kennt das Land, seine Menschen und die Probleme wie kaum ein anderer. „Es ist vor allem der Export von Öl in die asiatische Welt, der die Waffenkäufe und den Krieg ermöglicht“, so Bruder Hans. „Nicht zu unterschätzen ist in diesem Zusammenhang auch der Goldabbau im Südosten des Landes.“

Die Regierung hängt am Öl-Tropf

Der Preissturz auf dem Rohölmarkt und die Zerstörungen von Pumpanlagen durch den Krieg haben die Regierung jedoch in finanzielle Schwierigkeiten gebracht. Die Inflation stieg zwischenzeitlich auf 800 Prozent, Beamte und Soldaten konnten nicht mehr bezahlt werden. „Weil die Einnahmen aus dem Ölexport nicht mehr so reichlich fließen, sucht die Regierung nach allen Möglichkeiten, Einnahmen in US-Dollar zu erhalten“, sagt Hans Eigner. Dabei scheint den Machthabern jedes Mittel recht zu sein: Unmittelbar nachdem Ende März erstmals offiziell von einer drohenden Hungerkatastrophe die Rede war, kündigte Präsident Salva Kiir an, die Gebühren für die Arbeitserlaubnis ausländischer Hilfsorganisationen drastisch zu erhöhen. Die weltweite Empörung zwang den Präsidenten, Anfang Mai eine gemäßigtere Erhöhung in Aussicht zu stellen. Nichtregierungsorganisationen sollen demnach jährlich „nur“ 3.500 US-Dollar statt wie bisher 600 zahlen.

Hans Eigner hat dafür neben der Finanznot des Staates eine weitere Erklärung: „Viele der zahlreichen Nichtregierungsorganisationen im Land helfen den regierungskritischen und regierungsfeindlichen Gruppen, also den „Falschen“. So ist es aus der Sicht der Regierung nur logisch, die Gebühren für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter internationaler Hilfswerke zu erhöhen. „ Noch hat Präsident Kiir die Ankündigung nicht umgesetzt. Sollte es dazu kommen, würden sich vor allem kleine Organisationen die Gebühren kaum mehr leisten können. Leidtragend wäre einmal mehr die hungernde Bevölkerung.

Federico Gandolfi OFM besucht Freunde in einem Dorf in Südsudan. Bild von Agentur Meinhardt

Angst und Misstrauen lähmen das Land

Kirchen und Ordensgemeinschaften müssen zwar keine Gebühren zahlen, werden in ihrer caritativen und sozialen Arbeit aber trotzdem behindert. Weil die sogenannten Rebellen spirituelle und pastorale Tätigkeiten dulden, verdächtigt die Regierung kirchliche Einrichtungen immer wieder der Kooperation mit den Aufständischen. Auch Federico spürt die allgegenwärtige Atmosphäre von Angst und Misstrauen, die das Land lähmt: „Natürlich verurteilen wir die Grausamkeiten, die hier verübt werden. Aber wenn wir die Handlungen von den Menschen trennen, also die Sünde vom Sünder, wird das in diesem Umfeld nicht unbedingt verstanden“, so der Franziskaner. „Wir müssen extrem vorsichtig sein, denn sogar während un-serer Gottesdienste sind Leute da, die sich Notizen darüber machen, was wir über die Regierung sagen.“

Hoffnung keimte auf, als Präsident Kiir am 14. Dezember 2016 einen „Nationalen Dialog“ ankündigte. Er sollte auf lokaler Ebene beginnen und in einer großen Versöhnungskonferenz münden. Tatsächlich glauben viele Experten im Südsudan, dass nur ein Nationaler Dialog unter neutraler Leitung einen Friedensprozess in Gang bringen könnte. „Wenn es keinen Nationalen Dialog gibt, dann bleibt leider nur der Krieg, um die Vormachtstellung der vor allem vom Stamm der Dinka geführten Regierung einzuschränken. Das wäre die schlechteste Lösung“, sagt beispielsweise Hans Eigner. Doch mangelndes Vertrauen mache inzwischen jeden Dialog fast unmöglich.

Die Regierung tut indes wenig, um Vertrauen aufzubauen: Offenbar um den Anschein von Inklusion zu erwecken, wurden einige namhafte Persönlichkeiten des Landes in das Komitee für den Nationalen Dialog berufen – ohne vorher gefragt worden zu sein. Viele, wie auch Friedensbischof Paride Taban, lehnten dies ab. Sie misstrauen der Clique einstiger Warlords (Kriegsherren) in der Regierung. Außerdem dürften sie an der Neutralität des Gremiums gezweifelt haben, nachdem sich Salva Kiir als „Patron“ des Nationalen Dialogs installiert hatte. Dass der Präsident die umstrittene Stellung unlängst wieder aufgegeben hat, dürfte nur wenig helfen. Wie es mit dem Nationalen Dialog weitergehen soll, weiß derzeit niemand.

Ein Funken Hoffnung bleibt

Obwohl es in Juba seit Anfang des Jahres keine größeren Kampfhandlungen mehr gegeben hat, ist auch die Hauptstadt vom Krieg schwer gezeichnet. Dort hat Bruder Federico die Hoffnung auf Frieden nicht aufgegeben. „Es gibt so viele gute Menschen hier in Südsudan, so dass Gottes Werk für uns alle sehr klar zu erkennen ist. Auch wenn der Krieg sehr vieles zerstört hat, so hat er doch den Glauben und die Hoffnung, dass es eines Tages Frieden geben wird, nicht zerstören können.“

 


Erweiterte Fassung

Wir haben Experten und Kenner der Lage vor Ort im Südsudan gefragt und sie um ihre ungeschönte Rückmeldung gebeten.

Rückmeldungen und politische Einschätzung (mit Fragen) von Silja Engelbert, Projektreferentin Don Bosco Mission

Anfang Mai hat die Regierung beschlossen, dass internationale Hilfsorganisationen höhere Gebühren zahlen sollen, um im Land arbeiten zu können. Wie wird sich das mittelfristig auf die Situation der Menschen auswirken?

„Dazu kann ich leider nicht viel sagen, da ich nicht weiß wie viel der Gelder von anderen internationalen Organisationen überhaupt bei den Menschen ankommt. Meines Wissens nach bleibt sowieso schon viel bei der Regierung hängen.“

Im März kritisierten UN-Offizielle die Regierung dafür, dass sie mindestens die Hälfte des Budgets für Waffen und Sicherheit ausgibt. Seine Einnahmen erzielt der Staat durch Rohöl – hält das Öl den Krieg also sozusagen am Laufen?

„Ja. Auch andere Länder profitieren vom Öl, unterstützen die eine oder andere Seite mit Waffen und sind z.T. froh, dass der Krieg weitergeht (so makaber das klingt), da die Ausbeutung so leichter ist. Ich selber habe noch nie so viele Waffen in einem Land gesehen (und das war nur ein Eindruck eines kurzen, knapp 3wöchigen Besuchs)“

Kürzlich haben zahlreiche Persönlichkeiten des Landes den „Nationalen Dialog“ von Präsident Salva Kiir verlassen. Ist das die richtige Entscheidung? Wie ist Ihre Einschätzung dieses „Nationalen Dialogs“?

„Ich denke, dass so lange kein wirklicher Dialog möglich ist, solange die jetzige Regierung an der Macht ist. Es sollten zudem nicht nur die Vertreter der Spitze teilnehmen, sondern auch niedrigere Abgeordnete und Vertreter. Die letzten Jahre haben gezeigt, dass der Präsident keine Kontrolle über seine Truppen und Regierungsmitglieder etc. hat. Genauso ist das bei der Opposition. Ein umfassender Friedensprozess ist notwendig, der mit Sicherheit lange andauern wird und zu dem viele beteiligte hinzugezogen werden sollten.“

Rückmeldung von Pater Hans Eigner MCCJ, Comboni-Missionar

Da die Einnahmen aus dem Ölexport nicht mehr so gut fließen (Ölpreis und zerstörte Pumpanlagen) sucht die Regierung nach allen Möglichkeiten, Einnahmen in USD zu bekommen. Südsudan ist ein „Eldorado“ von NGOs. Viele davon helfen den regierungskritischen und -feindlichen Gruppen, d.h. den Falschen. So ist es aus der Sicht der Regierung nur logisch, die Gebühren für die MitarbeiterInnen Internationalen Hilfswerke zu erhöhen. Ich weiß nicht, inwieweit die drastischen Erhöhungen der Arbeitserlaubnis im Land wirklich umgesetzt worden sind. Ich gehe davon aus, dass kleine NGOs sich die großen Gebühren kaum leisten können. Damit werden wohl manche Initiativen gestoppt und das wirkt sich negativ auf die Menschen in Not aus. Wirklich aktuelle Infos dazu habe ich nicht.

Es ist vor allem der Export von Öl (in die asiatischen Welt), der die „Unkosten“ für die Waffenkauf und den Krieg ermöglicht. Nicht zu unterschätzen ist in diesem Zusammenhang der Goldabbau im Südosten des Landes. Dieser hat schon in den Zeiten vor dem CPA 2005 der SPLA von damals Einkünfte für den Krieg gegen den Norden garantiert.

Das mangelnde Vertrauen im Land macht jeden Dialog fast unmöglich. Präsident Salva Kiir ist, meiner Meinung nach, nicht ganz so schlecht/schlimm wie die Regierung selbst (meist Kriegsverteranen etc). Ihnen trauen die zahlreichen Persönlichkeiten des Landes nicht und da hilft auch nicht die Entlassung des Chief of Staff, Paul Malong vor wenigen Wochen. Wenn es keinen Nationalen Dialog gibt, dann bleibt leider nur der Krieg, um die Vormachtstellung der – vor allem durch den Stamm der Dinka geführten – Regierung einzuschränken. Das wäre die schlechteste Lösung.

Holy Trinity Peace Village Kuron ist eine bemerkenswerte Einrichtung und Bischof em. Paride Taban ein schätzenswerter Mann. Er ist der einzige Bischof, der in Juba die Flüchtlingslager besucht hat und sich unermüdlich für das Land einsetzt. Jedoch erscheint mir Kuron zu abgelegen, als dass es ein Friedens-Modell für die Region werden könnte (vielleicht täusche ich mich). Nach Kuron führt zwar auch eine Strasse, aber der Bischof bringt seine Gäste fast immer mit dem Flugzeug nach Kuron.

Rückmeldung von Marina Peter, „Adviser Horn of Africa“, Brot für die Welt

Anfang Mai hat die Regierung verkündet, dass internationale Hilfsorganisationen höhere Gebühren zahlen sollen, um im Land arbeiten zu können. Wie wird sich das mittelfristig auf die Situation der Menschen auswirken und wie verhält sich Brot für die Welt dazu?

„Ich nehme an, Ihre Frage bezieht sich auf die Ankündigung der Regierung, die Gebühren für work permits für INGOS immens anzuheben von Ende März, praktisch direkt nach offizieller Ausrufung der Hungerkatastrophe? Diese wurde aufgrund des erheblichen (internationalen) Protestes Anfang Mai wieder zurückgenommen (s.z.B. South Sudan drops plan for $10,000 work permit fee for aid staff Mon Apr 3, 2017 12:45pm GMT, Reuters). Brot fuer die Welt hat kein eigenes Büro im Südsudan, sondern unterstützt dort wie überall lokale Partnerorganisationen, wir haben allerdings in diversen Radio/Zeitungsinterviews und über Kontakt zum Auswärtigen Amt auf die Situation aufmerksam gemacht, und unser Unverständnis über eine solche Maßnahme deutlich zum Ausdruck gebracht, Unsere Schwesterorganisation, die Diakonie Katastrophenhilfe hat ein Büro in Juba, und war, als Mitglied des NGO Forum Südsudan an entsprechendem gemeinsamem Protest vor Ort beteiligt.“

Im März kritisierten UN-Offizielle die Regierung dafür, dass sie mindestens die Hälfte des Budgets für Waffen und Sicherheit ausgibt. Seine Einnahmen erzielt der Staat durch Rohöl – hält das Öl den Krieg also sozusagen am Laufen?

„Ja, auch, da der Staat offiziell nicht über andere maßgebliche Einnahmequellen verfügt. Allerdings halten insbesondere Waffenlieferungen mit Option auf zukünftige Bezahlung „befreundeter“ Staaten, wie Israel, Ägypten, die Ukraine, Uganda etc den Krieg am Laufen, ebenso wie finanzielle Zuwendungen aus dem Ausland“

Kürzlich haben zahlreiche Persönlichkeiten des Landes den „Nationalen Dialog“ von Präsident Salva Kiir verlassen. Ist das die richtige Entscheidung? Wie ist Ihre Einschätzung dieses „Nationalen Dialogs“?

„Davon- Persönlichkeiten haben den ND verlassen- weiss ich nichts. Mir ist nur bekannt, dass diverse „Persönlichkeiten“ wie Mme Rebecca Garang, Kosti Manibe etc ihre Nominierung in das Committee für den ND nicht angenommen haben, die ohne vorherige Konsultation der entsprechenden Personen vom Präsidenten verkündet wurde, um den Anschein der Inklusion zu erwecken. Es ist sehr schwierig, eine solche Nominierung zurück zuweisen wenn man sich im Land befindet- Angst und Misstrauen sind berechtigterweise sehr groß. inzwischen hat der Präsident eine Reihe von „Vertrauensbildenden Maßnahmen“ verkündet. wie eine einseitigen Waffenstillstand (der praktisch am gleichen Tag schon wieder gebrochen wurde), die Entlassung einiger politischer Gefangener, bei gleichzeitiger Verkündung, es gäbe keine politischen Gefangenen, und unlängst ein offizielles Zurückziehen seiner umstrittenen Stellung als „Patron“ des ND. Sehr Viele im Südsudan sehen einen umfassenden ND unter neutraler Führung als einzige Möglichkeit , langfristig zum Frieden zu kommen – sind aber weit davon entfernt, im jetzt ausgerufenen ND diese Chance zu erkennen“

Kennen Sie das Holy Trinity Peace Village Kuron von Bischof Paride Taban und wie schätzen Sie die Arbeit dort ein? Welche Chancen hat ein solches Projekt, als Modell für eine größere Region einen Wandel anzuschieben?

„Bp e.Paride Taban ist ein von mir (ich kenne ihn seit 30 Jahren) -und allen Kollegen, die die Ehre haben, ihn persönlich zu kennen- hoch verehrter Mensch. Unsere Partnerorganisation RECONCILE mit sitz in Ywei hat ihm nicht umsonst im letzten Jahr den ersten Friedenspreis im Südsudan überreicht, Kuron ist ein ganz, ganz wichtiges Signal und ein äusserst wichtiger Ort – lebt aber natürlich sehr vom Einsatz, der Integrität und landesweiten Anerkennung der herausragenden Persönlichkeit des Bishop em.Paride. Leider gibt es davon zu wenige, bzw. können es bisher sich zu wenige leisten, so mutig zu sein wie er. Wichtig ist die enge Zusammenarbeit aller friedliebenden Menschen und Organisationen, und davon gibt es inzwischen einige, in einer nicht konkurrierenden, sondern aufeinander aufbauenden, sich gegenseitig unterstützenden Funktion. Bei der gegenwärtigen Zerrissenheit leider auch der Kirchen ist es noch ein langer Weg- Versöhnung muss erst einmal bei den Versöhnern anfangen.“

Rückmeldung von Bruder Federico OFM, Juba (in Englisch)

As Franciscan in South Sudan we are mainly involved in pastoral work and we are not expert in this civil war. There are so many causes to this war that it is quite complicated to expose, in few lines, its reasons. Moreover the opinions are extremely different according to the sides who are motivating this civil war. As Franciscans we are not directly involved in the conflict or its reasons. We work at a grass-root level by organising workshops for youth regarding peace building and reconciliation or trauma healing sessions. This does not mean we do not accuse the atrocities which are carried out in this country, but as far as we separate the actions from the people (the sin from the sinner) it is not well understood in this environment. We need to be extremely careful as even during our masses there are people taking notes reporting anything that might be said about the Government or this fragile political situation.

As for the Government to increase the fees of organisation working in South Sudan we are not directly affected as it is only for professional workers; yet it can have serious consequences for many humanitarian helpers. The law is still in the parliament and there is uncertainty whether it has to be implemented or not.

The oil is the main, if not the only one, source of income for South Sudan. The oil is not the problem, but first of all what the Government decides to do with its annual budget. Secondly, if the Governments buy weapons it means there are other Governments selling them, where is the responsibility?

The National dialogue is always welcome as the dialogue is the way of the politics; many people accuse the government saying this is a fake dialogue as it does not involves all the parties. This might risk not only to have no positive effect, but rather creating even more tension in the Country.

Why God allows all this, it is only in God’s mind I believe. Yet we know that human beings are left free, if not their love would have no meaning at all. God allows it, but He does not abandon none of his children. There are so many good people here in South Sudan that the work of God is very clear to all of us. Even if the war has destroyed a lot, it has not killed these people faith nor their hope that one day, peace will come.

Rückmeldung von Bruder Peter Bazilio Tindo OFM, Franziskaner in Khartum (in Englisch)

Bischof Paride Taban (vorne) mit Mitgliedern des von ihm im Jahr 2004 gegründeten Friedensdorfes „Holy Trinity Peace Village Kuron“ bei der Feldarbeit. Das Friedensdorf soll nach den Vorstellungen des Bischofs ein Modell für das Zusammenleben der verschiedenen Ethnien im Südsudan sein. Bild von Agentur Meinhardt.

I am living in Khartoum-Sudan. The situation in Khartoum is stable and peaceful except for the economic difficulties, especially the inflation which is hitting the country and is making it very difficult for many people. Furthermore, there is influx of displaced people and refugees from South Sudan, many are having great difficulty with providing daily food, medical care and education for their children. The Franciscans are here in Khartoum for ten years, and they are walking very close with these people… it is a great misery and suffering. I am Peter Bazilio Tindo ofm, a guardian of the ‘House of St. Francis of Assisi in Khartoum’. At the moment, we are only two in Sudan and we look after two parishes; I am an assistant parish priest; responsible for tree primary schools, and I am a coordinator of the program of Education and Religious sciences at the Comboni College of Sciences Technology – Khartoum.

I have heard about the mentioned village and great works carried out there by bishop em. Paride Taban. The bishop has successfully formed, encouraged and educated the people for peaceful coexistence in the light of the Gospel and the teachings of the Church. And that gives me personally a great hope that all our people can reach this point through formation and good education.

The mission of the Franciscan is already affected with what is happening in the country. If the NGOs are forced to pay high fees so as to continue their mission in the Country, the victim will be the our helpless and poor and displaced people, who will remain without proper medical care, education, clean water and all the services that the government itself is unable to afford for its own people.

The oil is a blessing for the people of South Sudan and their neighbors as well. But the way of using the natural resources, including oil is a really challenge for our leaders.

Dialogue is always good and, I believe, it is the only means that can lead our people to achieve a lasting peace. So, calling for dialogue is a good thing. I, personally, would like to thank Mr. President for taking this step. However, many people in South Sudan are afraid that the Government is just trying to mislead the International community and to prolong the war in South Sudan or, at least, to keep the status quo. Reasons given for that are:

  • It seems that the Government is not ready at the moment to sit down and talk with Mr. Riek Machar and the armed groups who are fighting with. Many look at it as if “Mr. X is fighting with Mr. Y and while trying to settle their disputes, Mr. X claims that he wants to get reconciled with his friend Mr. Z who is has no problem with him at all the keep his rival out.
  • The way of approaching and calling individuals from the opposition groups to dialogue in the name of ‘opposition’ will only bring division and ignite bloody conflicts than addressing the root cause of the problem.
  • The Government is calling those who have already tried to kill them to Juba without grantee that their live will be saved whatever the outcome of the dialogue might be! Many of the prominent opposition figures will not come in Juba.
  • Base on the mentioned reasons, many are questioning the credibility of the call to the national dialogue.
    I believe that God is always there to help and guide all people to salvation. The people of South Sudan is rejecting this God’s salvific plan. It seems that many are rejecting the natural law as well. It because of that our people are suffering; killing, raping, stealing corruption, hatred are not God’s will for the people… we need conversion!

Erstveröffentlichung Zeitschrift Franziskaner / Sommer 2017


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