21.08.2020 Bruder Natanael Ganter

Das Gift aushalten

<< Zurück | Jetzt | Weiter >> Der Kommentar der Woche.

Oft ist das, was uns beschäftigt, uns sorgt und uns Angst macht, auch die Quelle für das, was jetzt dran ist. Mit dem Blick auf die Welt aus ihrer Perspektive kommentieren die Franziskaner jeden Freitag, was sie wahrnehmen.


Bruder Natanael Ganter

Das Faszinierende an Social Media ist das Mitmachen. Jede und Jeder kann ein Foto auf Instagram kommentieren, kann auf eine Nachricht in Facebook antworten oder seine Meinung unter einem Video auf YouTube teilen. Unkompliziert ergeben sich Diskussionen. Die Wege zum Content-Creator, dem Einsteller der Inhalte, sind angenehm kurz.

Aber schnell kippt eine öffentliche Unterhaltung. Es werden Lügen und Vorurteile eingebracht, es folgen Schmähungen und persönliche Beschimpfungen. Ein Grund für so manche, sich lieber von Social Media fernzuhalten.

Ich war diese Woche in Wien und habe Bruder Sandesh getroffen, einen indischen Franziskaner, der in Österreich Musik studiert. Jede freie Minute investiert er in die Produktion seiner eigenen Musikvideos und postet sie auf YouTube. Er ist bekannt als der „rappende Franziskaner“. Viele finden seine Art, die christliche Botschaft zu verkünden, frisch, cool oder hipp. Andere können überhaupt nichts damit anfangen, und kommentieren seine Videos entsprechend missbilligend.

Ich habe ihn gefragt, ob ihn die toxische Stimmung in der Community dabei nicht demotiviert. Seine überraschende Antwort: „Ich bin offen für negative Kommentare. Ich „like“ sie sogar und schenke jedem, der schlecht über mich schreibt „ein Herz“ oder „einen erhobenen Daumen“. Denn jemand, der mir einen negativen Kommentar gibt, gibt mir aber auch die Chance auf ihn zu reagieren. Ich lasse das nicht einfach so stehen, sondern schreibe zurück und gehe auf sie ein. Das ist manchmal anstrengend, manchmal sinnlos, aber manchmal auch gut und befreiend. Als Franziskaner möchte ich die Menschen am Rand der Gesellschaft im Blick haben. Und da bekommt man halt schon mal verrottende Tomaten statt Blumen geworfen.“

Das Gift in den online Foren aushalten. Auf Kritik freundlich und sachlich reagieren. Auf den grimmigen, anonymen Online-Kommentator zugehen und den Mensch dahinter ansprechen.

Versuchen Sie es einmal und erzählen Sie mir, ob es funktioniert hat.


Der Blick zurück, der Blick nach vorne, und der Blick nach innen.
Franziskaner kommentieren, was wichtig ist.
Immer freitags auf franziskaner.de


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