22.12.2021 Provinzialminister Cornelius Bohl

sinn.los.frei

Die Zeitschrift der Franziskaner - Winter 2021

Titel der Zeitschrift Franziskaner, Winter 2021
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Haben Sie den Sinn des Lebens schon gefunden? Wahrscheinlich stutzen Sie bei dieser Frage. Und das ist gut so. Denn den „Sinn des Lebens“ kann ich nicht erwerben wie ein Ding, das ich dann ein für alle Mal besitze. „Sinn“ ist auch kein gedankliches System, das mir alle Fragen schlüssig beantwortet. Aber ich erfahre Spuren von Sinn, etwa wenn ich ein Tun als sinnvoll erlebe oder das Gefühl habe, dass ich am richtigen Platz bin: Es passt. Vieles ist zwar mühsam und schwer, und dennoch, aufs Ganze gesehen, ist es gut, so wie es ist. Umgekehrt ist wohl nichts so schlimm wie der Eindruck, dass letztlich alles irgendwie sinnlos ist. Wer sein Leben trotz allem im Tiefsten als sinnvoll erfährt, kann auch schwere Krisen meistern. Die Erfahrung von Sinnlosigkeit dagegen macht krank und hat schon Menschen in den Tod getrieben.

Das macht Sinn, sagen wir manchmal. Hinter dieser Wendung steckt der englische Ausdruck to make sense. Im Deutschen haben wir eine sehr schöne Formulierung: Das ergibt Sinn! Sinn kann nicht gemacht werden. Er wird gegeben. Sinn eröffnet sich, erschließt sich mir im Nach-Sinnen. Sinn ist darum immer auch Geschenk und macht dankbar.

Das Reservoir an Sinnangeboten, das uns die Geschichte der Religionen, Philosophien und Weltanschauungen bietet, ist unerschöpflich. Für den Christen ergibt sich Sinn nicht aus einer Lehre, sondern aus einer Beziehung, aus der Lebensgemeinschaft mit Christus. Der „Sinn des Lebens“ ist darum weniger eine Erklärung der Welt als vielmehr die Fähigkeit und die Bereitschaft vertrauen zu dürfen. Wer in einer Beziehung aus einem tiefen Sinn lebt, versteht nicht alles und kann dennoch Ja sagen zu sich und der Welt. „Du wagst dein Ja – und erlebst einen Sinn. Du wiederholst dein Ja – und alles bekommt Sinn„, schreibt Dag Hammarskjöld, der ehemalige UN-Generalsekretär und Friedensnobelpreisträger (1905–1961).

Etymologisch, so habe ich gelesen, steckt in unserem deutschen Wort „Sinn“ das althochdeutsche „sinnan“ bzw. die indogermanische Wurzel „sent“. Beide Begriffe bedeuten „gehen“, „reisen“ und „fahren“. Erst im Gehen erfahre ich, ob mein Weg sinnvoll ist. Sinn erschließt sich Schritt für Schritt.

Weitere Themen

  • Fluchtursachen bekämpfen
  • Geistlicher Wegbegleiter
  • Religiöse Feste – Chanukka und Weihnachten
  • Mattenkapitel der Franziskaner in Würzburg
  • Interfranziskanische Zusammenarbeit
  • Porträt: Bruder Norbert Stumpf
  • Journalismus: Ein potenziell tödlicher Job
  • Franciscans International
  • Pro und Kontra- Wohnungskonzerne enteignen?
  • Kommentar – Spaltpilz Corona

Kostenlos erhältlich in allen Franziskanerklöstern und Häusern, im Direktversand an tausende Bezieher
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Sie können sie die Zeitschrift auch als Druckausgabe bestellen:
Provinzialat, Zeitschrift Franziskaner,
Sankt-Anna-Straße 19, 80538 München.
Tel.: 089 211 26-150, Frau Röckenwagner
eMail: zeitschrift@franziskaner.de


Wir freuen uns über Rückmeldungen!

Was ist meine Bestimmung, welchen Sinn hat mein Leben? Der Mensch ist das einzige Wesen auf diesem Planeten, das über solche Fragen nachdenkt – zumindest soweit wir wissen. Wir fragten Leser, in welchen Zusammenhängen sie Sinn erfahren. Einige Antworten finden Sie im Heft. Wir möchten aber auch gerne von Ihnen wissen, was Ihnen »Sinn« gibt. Sie können uns per Post oder Mail schreiben, oder direkt hier weiter unten als Kommentar auf der Webseite …


2 Kommentare zu “sinn.los.frei

  1. Ich bin 74, habe 4 Kinder u. 11 Enkerl. Habe mich bemüht den Glauben zu vermitteln, ist mir nicht gelungen, 2 sind nicht getauft. Sie sind brave, anständige Menschen geworden, aber suchende.

  2. Die Sinn-Geschichte von Manuela hatte leider keinen Platz mehr in der Zeitschrift. Ich hatte im November 2021 mit ihr in München gesprochen… Sie hat hier nun die Ehre, die Leserkommentare zu eröffnen.

    „Gott suchen und auf ihn vertrauen“
    Manuela Waldau, Übersetzerin, München

    „Als alleinerziehende Mutter von drei Kindern kommt für mich keine Langeweile auf. Um das Leben in München zu meistern, arbeite ich als ausgebildete Übersetzerin in zwei Büro-Jobs. Mein Lebensmittelpunkt sind eindeutig meine Kinder. Sie geben mir viel Freude, verlangen aber auch viel Kraft. Meine Familie verdeutlicht mir den Sinn, den ich für mich im Leben sehe: Gott zu Suchen und mich von ihm getragen zu wissen!

    Als junge Frau hatte ich mit Gott gehadert: ich war zwar selbst als Jugendleiterin in meiner Münchner Pfarrgemeinde engagiert, aber, mein damals noch sehr kindlicher Glaube an den lieben Gott, kam zunehmend an seine Grenzen. Freunde kehrten der Kirche den Rücken, Glaube war uncool. Dennoch führte mich mein Weg in einen Gesprächskreis in St. Bonifaz in München. Dort konnte ich regelmäßig intensive Gespräche über Gott und die Welt führen. Mein damaligen Jugendfreund, später mein Ehemann und Vater meiner Kinder, studierte Theologie und die philosophischen Fragen nach dem Sinn des Lebens waren allgegenwärtig. In dieser Zeit entdeckte ich auch meinen Kraftort: In der Benediktinerabtei Plankstetten spürte ich die Präsenz Gottes. Es war eine Glaubenserfahrung, die mir bis heute einen tiefen, innerer Frieden schenkt, ein Gefühl des Zuhauseseins. Hier konnte ich zur Ruhe kommen und Kraft schöpfen. Gott war für mich nicht länger ein philosophisches Konstrukt, sondern Realität. Gott ist so viel stärker, man kann sich nicht dagegen wehren!

    Einschneidend war für mich die Trennung meines Mannes. Ich fühlte mich bis dahin als Teil einer „christlichen Vorzeigefamilie“ und plötzlich stand alles Kopf. Das hat mir am Anfang den Boden unter den Füßen weggezogen.

    An dieser wichtigen Kreuzung in meinem Leben gab ich die Entscheidung in Gottes Hand, habe mich von ihm leiten lassen. Der Glaube wurde zu meiner größten Kraftquelle. Durch die Verantwortung und die Fürsorge für meine Kinder bin ich gewachsen. Die Beziehung zu ihnen formt mich als Mensch und formt auch meine Beziehung zu Gott. Ich habe selbst erfahren: Glauben kann man leben. Und den lebendigen Glauben und das Vertrauen auf Gottes Gegenwart möchte ich meinen Kindern weitergeben.“

    Manuela

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